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Mitwirkende:
Aquila, Ursus, Marcus Verus, Lucidus (als Velox), Congerius, Murus, Hulda, Jaleh, Baran, Bruna, Lif, Sunhilde, Lynx

verfasst zwischen 08.12.2009 - 17.02.2010


Der Regen fiel ohne Unterlass und verwandelte die ohnehin schlechten Waldwege in unpassierbare Schlammpfade.
Seit dem Abschied Alarichs waren nun zwei Tage vergangen. Die Gefährten saßen noch immer in der Schänke und warteten.
Der Tribun saß über einen Krug Wein gebeugt und beobachtete die Kriegerinnen Alarichs, welche ausdauernd den Würfelbecher schwangen.
Dieser Hüne von einem Krieger hatte erheblichen Eindruck bei Aquila hinterlassen.
War doch der Tribun, nach dem enttäuschenden Marsch zum Treffpunkt, schwer davon ab zu bringen gewesen, mit der vollständigen Legion den gesamten Landstrich zu verwüsten und jeden Aufständischen ans Kreuz schlagen zu lassen, Frauen und Kinder eingeschlossen.
Trotz ihres Mutes und ihrer Tapferkeit waren die revoltierenden Barbaren bereits der einzelnen Cohorte unterlegen gewesen. Alarich hatte wohl instinktiv geahnt, was die Legion als Ganzes anrichten konnte, weshalb er zu dieser Unterredung gebeten hatte.
Im Nachhinein musste sich Aquila dennoch sehr über seine eigene Arglosigkeit wundern.
Ohne einen einzigen Legionär waren er und Congerius dem Aufruf gefolgt.
Alarich hatte darauf bestanden, dass kein römischer Soldat ihn und den Senator begleiten dürfte. Nur eine Ausnahme gestattete der König. Aquila durfte einen persönlichen Adjutanten mitnehmen. Seine Wahl fiel auf Centurio Verus Magnus.
Alle anderen mussten entweder Zivilisten oder Nicht-Römer sein. So waren nur Lynx der Suebe, Velox der Barbar, Murus der Priester und Jaleh, die sarmatische Leibwächterin des Senators mit aufgebrochen. Mina, die suebische Händlerin, hatte ebenfalls darauf bestanden, mit dem Zug zu gehen. Zudem begleitete Hulda, die neu erworbene Sklavin des Priesters die Gruppe.

Eine blondhaarige Kriegerin schlug gerade wutentbrannt mit der Faust auf den Tisch, dass das Geschirr schepperte. Offensichtlich konnte sie sich nicht mit dem Verlust ihrer Münzen abfinden. Und schon begann ein Gezeter, welches der Tribun nicht weiter verfolgte.
Während er einen Schluck aus dem Krug nahm, verfiel er wieder in seine Gedanken.

Ganz so einfältig oder gar todesmutig war er ja nicht gewesen. Er und Congerius hatten mehrere Notfallpläne ausgearbeitet, falls Alarich ein falsches Spiel treiben würde.
Einen davon hatten sie bereits in die Tat umgesetzt, nicht wegen des Barbarenkönigs, sondern wegen des Wetters. Die erste und die dritte Cohorte standen bereit und warteten auf die Brieftaube, welche Congerius im Verborgenen dabei gehabt hatte. Sie musste mittlerweile angekommen sein und die beiden Cohorten konnten innerhalb von drei Tagen hier sein.
Die fünfte Cohorte war trotz des Wetters damit beschäftigt, die versprengten Truppen Godhards aufzuspüren und zu vernichten.
Mit der Zurschaustellung zweier weiterer Abteilungen der Legion, darunter der legendären COH I, wollte Aquila dem Hünen zeigen, dass er, Alarich, nicht ohne Grund sein Knie vor dem Tribun gebeugt hatte. Nicht nur, dass die Römer als Sieger aus dem ritualisierten Zweikampf hervorgegangen waren, Alarich hatte bald erkannt, dass er und dieser römische Feldherr einiges gemeinsam hatten.
Der König hatte dem Römer dann auch schnell gezeigt, dass er nicht nur kämpfen konnte, sondern auch trinken und feiern.

Aquila blickte auf. Congerius betrat die Schänke und steuerte auf den Platz gegenüber dem Tribun zu. Sein sarmatischer Schatten folgte ihm.
Alarich wollte bald wieder zurück sein. Da er den Römern zwei Geiseln stellen musste - seine Wahl war auf zwei seiner schönen, aber gefährlichen Schwestern gefallen - musste er sich in seiner Festung um einige Dinge kümmern.
Er hatte aber versprochen in zwei oder drei Tagen mit reichlich Wein und anderen Köstlichkeiten zurückzukehren und auch die zugesagten zwei hundert Krieger mit zu bringen, die in den Hilfstruppen dienen sollten.
Der Tribun sah Congerius in die Augen, um fest zu stellen, ob dieser noch verstimmt war.
Aquila hatte Alarich nach Congerius Meinung, viel zu milde behandelt. Obwohl Congerius wusste, wie viel dem Tribun Ehre und Tapferkeit bedeuteten, hätte er an Stelle des Tribuns, den Hünen noch etwas mehr gemolken. Selbst auf die Gefahr hin, dass Aquila ihn als Erbsenzähler verspottete. Congerius nahm mit dem ihm eigenen Schwung Platz und setzte bereits zur Rede an, als der Tribun die Hand hob. " Ah, Senator! Keine Predigt mehr. Ich habe noch den Geruch von Godhards Schädel in der Nase und das sagt mir, dass wir haben, was wir wollten!"
Da fast alle anderen im Raum mit Würfeln beschäftigt waren, konnte der Senator in einem etwas ruhigen Ton, seine Unmut zeigen, ohne den Tribun vor allen anderen zu beschämen.

"Was wir wollten? Und wo sind die 20 Fässer Getreide die wir brauchen um die 'Gäste' zu ernähren? Wo sind die Waffen, die wir unseren Auxiliaren oder Legionären hätten geben können, und die uns jetzt wieder einiges Geld kosten das wir nicht haben? Wo sind die 200 Frauen die in Numantia Nova arbeiten sollten und außerdem den einen oder anderen Römer austragen? Die wir in jeder Schlacht verlieren? Wo ist der Nachschub den du mir seit Wochen versprichst? Wo sind die Ressourcen die wir dringend benötigen? Im Terra Occidens muss ich mit den Leuten auskommen die das Gremium als unwichtig genug oder störend empfindet. Unterernährten schlecht ausgebildeten Legionären. Und dabei ist dort eine wirkliche Front! Was könnten wir an Ressourcen in Terra Occidens erhalten wenn wir es sichern könnten! Und wenn dann mal die erste Kohorte den Heerzug der Nyamen und Archonten begleitet, denen die Provinz Terra Occidens Treue schwören musste, denn sonst würden wir nicht an die Ressourcen kommen! Dann muss ich darum betteln, dass sie unserem Archonten folgt und zeigt was die römische Armee kann! Falls du es noch nicht gemerkt hast, der Rückweg nach Rom ist verschlossen und die Tore Aeris in Mythodea könnten diesen Weg vielleicht öffnen, aber dazu brauchen wir pax romana in Mythodea und leider auch Magier die uns helfen!" Inzwischen hatte er sich etwas in Rage geredet. "Wie soll ich das alles erreichen, wenn du meine Politik behinderst?" Er war laut genug, dass der eine oder andere den letzten Satz mitbekommen konnte.
Der Tribun hörte nur mit halbem Ohr zu. Er kannte die ewigen, kleinkarierten Sorgen der Politiker. Das ständige Gejammer der Ratsmitglieder und die andauernden Ängste dieser Steinbankfurzer, wobei er da seinen alten Freund ausnahm. Dennoch war er es leid, ständig nach der Pfeife dieser furchtsamen Politiker tanzen zu müssen. Die Waffen seiner Männer waren erstklassig \u2013 er brauchte keine minderwertigen Beutewaffen. Die Qualität seiner Legionäre war unerreicht \u2013 er selbst überwachte die Musterung der Anwärter. Die meisten lehnte er ab und diese konnten dann in den Hilfstruppen dienen, mit Ausnahme der sarmatischen Bogenschützen. Diese elitäre Truppe nahm nur Männer und Frauen auf, welche den richtigen Corpsgeist aufwiesen.
Zum anderen wallte jedes Mal der Zorn in ihm auf, wenn Congerius von diesem Treueeid gegenüber dieser so genannten Nyame sprach. Ein Eid, den andere, so genannte Römer geleistet hatten. Dieser Schwachkopf von Legat und dieses illegale Gremium in Numantia Nova. Sie hatten die Legion verraten und verkauft.
Mit dem Legaten würde Aquila früher oder später abrechnen; er hasste nichts mehr, als wenn unfähige, fettleibige Politiker Soldat spielen wollten\u2026
Aber er würde nie zulassen, dass seine geliebte Legion ihr Blut für andere vergoss, es sei denn zum Ruhme des Imperiums.
Da sich der Tribun der Treue der Männer sicher war, sehnte er den Tag herbei, an dem er nach Numantia Nova marschieren und mit dem Schwert nach der Legitimität dieser Bande fragen würde\u2026
Aquilas Mitleid mit den Hilfstruppen, welche an der \u201ewirklichen Front\u201c verbluteten, hielt sich in Grenzen. Das war in seinen Augen nur Mitraspera-Abschaum.
Solange kein echter Römer verloren ging, konnte er ruhig schlafen.
Er fuhr sich mit den Fingern durch das Haar.
Von welchem Nachschub und Ressourcen faselte der Senator da?
Die Legion hatte immer ausreichend zu fressen und wenn es mal knapp wurde, nahm man sich das Nötige mit Gewalt.
Einzig an Sold fehlte es, da die feinen Herren in Numantia Nova nicht in der Lage waren, die Prioritäten richtig zu legen.
Aber auch in dieser Hinsicht hatte die Legion treu zu ihrem Wort gestanden und ihrem Feldherren versichert, dass sie sich mit dem Wenigen oder aber mit der zu erlangenden Beute zufrieden geben würde.
Für einen Moment musterte der Tribun seinen alten Freund.
Einen winzigen Augenblick glomm so etwas wie ein Zweifel in ihm auf.
Hatte dieses verfluchte Mitraspera selbst den immer treuen Senator korrumpiert?
Aber der Anflug verging so schnell wieder, wie er gekommen war.

"Ich weiß nicht worüber du dich fortwährend beklagst, wie ein altes Weib, Manilius!"
Er nannte den Senator nur deswegen beim Vornamen, weil niemand zuhörte. Auch eine solch respektlose Rede hätte der Tribun sich in Gegenwart anderer verkniffen. "Weiber besorgen sich die Jungs doch immer im Übermaß! Mit den vielen Bastarden könnte man die Via Appia pflastern. Darüber haben sich die Steinbankfurzer in Numantia nova übrigens ebenfalls schon beschwert!", fuhr er fort und übersah dabei geflissentlich den Blick des Senators. Congerius Augen hatten ein tiefes schwarz angenommen, welches für alle, die ihn kannten, ein Warnsignal darstellte.
Um einen weiteren Wutausbruch zu verhindern, legte der Tribun beruhigend seine Hand auf den Arm des Senators. Die Geste hatte die beabsichtigte Wirkung, was Congerius aber nicht davon abhielt weiter zu sprechen. Aquilas Blick aber hatte sich bereits an die beiden Tänzerinnen gehaftet, die Alarich ihm geschenkt hatte. Die beiden geschmeidigen Geschöpfe erinnerten ihn an die östlichen Provinzen und die Frauen dort. Er seufzte.
"Decimus, ich rede von der Mittel bis Langfristigen Planung unserer Rückkehr nach Rom, und unserem zustehenden Triumphzug. Ich würde auch lieber drei Legionen nach Mythodea senden, mit einer Flotten den Seeweg übernehmen, den Kelten drüber Tuniken anziehen und fertig. Die Verfemten vertreiben und dann von den eroberten Besiegten die Funktionsweise der Tore erklären lassen und damit diese Welt endgültig dem römischen Imperium unterwerfen!
Doch WIE? Ich frage dich WIE? Wir haben diese Leute nicht.
Ich weiß, du hältst nichts von diesem Schwur, doch ich selbst habe ihn auch geleistet. Nicht weil ich Rom verraten habe, sondern um Ressourcen zu bekommen und um Einfluss zu gewinnen. Meinst du ich wäre sonst zum Lagerführer des Erdlagers geworden? Es mag ein bunter Haufen unzivilisierter ungeordneter Barbaren sein, aber es gibt genügend interessante Personen! Und um dieses Lager zu halten, um diese Welt zu formen um unseren Einfluss zu vergrößern brauche ich die strahlende Wirkung der Armee!
Schau in die Augen der Leute die unsere Legionäre in Formation sehen. Die meisten verfallen uns bereits dadurch. WIR sind der stabile geordnete Punkt in dieser Welt und diesem Lager. Und wir stehen dauernd kurz davor zu wanken. Zu wanken wie du selbst in deinem Gespräch mit Alarich. Wir dürfen unsere Position nicht aufgeben. Du darfst nicht immer an das Jetzt denken, denk auch mal an morgen und den nächsten Monat. Ich weiß es ist schwer für dich, vor allem wenn du mir nicht zuhörst sondern die Tänzerinnen mit deinen Blicken ausziehst. Decimus, ich hoffe für dich, du denkst rechtzeitig daran, dass es auch ein Leben nach dem Abend gibt. Es wird Zeit dass du aufwachst aus deiner Traumwelt, die Realität schaut schlimmer aus als du es dir einredest. Du läufst nur aufgrund der Bitte dieses Barbaren ohne Legionäre durch diesen Wald. Warum weil du an die Ehre und Stärke glaubst, ich hoffe ich bin nicht dabei wenn du dich einmal irrst. Und die Zenturionen fangen auch an zu schwächeln. Sie sehen deinen Führungsstil" dabei deutete er mit einem Wink auf die Tänzerinnen. "Und machen es dir bald gleich. Und so treue und gut erzogene Sklaven wie Hulda, sind bald der Normalzustand!!" Der Senator war ziemlich wütend geworden, zog die Hand auf der die des Tribuns lag zurück und stand ohne eine Erwiderung abzuwarten auf und ging in die Küche. Die Bedienung war so schlecht, dass er sein Wasser selbst holen musste.

Verus hatte sein Bein hochgelegt auf einen Schemel. Bei einem Kampf auf dem Weg zu Alarich wurde er von einem Barbarenweib am Bein verletzt. Es war zwar nicht viel passiert, aber die Schmerzen waren zeitweise sehr stark. Was ihm natürlich auch einiges an Spott des Senators einbrachte.
Als er den Senator bei seiner Unterhaltung mit dem Tribun beobachtete, dachte er nach. Früher hielt er nicht viel vom Senator. Warum hatte man ihn überhaupt mitgenommen hier her in diese Welt? Mehr als Reden konnte er nicht, dachte Verus. Und einen Redner braucht man hier nicht. Doch er hatte sich geirrt. Vor zwei Tagen berichtete der Tribun Verus, dass er den Senator schon sehr lange kennt und das der Senator mal Tribun war!. Verus schüttelte kaum merklich den Kopf. Unglaublich, ein Tribun, der freiwillig Senator wurde. wo gibt's denn so was? Wir der Tribun auch Politiker, wenn er alt wird? . Verus schauderte. Bis dahin hatte er das Gespräch zwischen dem Senator und dem Tribun nicht mitbekommen. Er verstand ohnehin nur Brocken. Und das was er verstand, interessierte ihn nur wenig.

Er lies seinen Blick schweifen. Die Legion würde bald eintreffen und der Tribun hatte Verus noch keine weiteren Befehle gegeben. Verus ärgerte sich, dass er dem Treffen mit dem Barbar nicht beiwohnen konnte. Der Tribun hatte ihn nach seiner Verletzung zurück ins Gasthaus gesendet. Er wollte vor Alarich keine Schwäche zeigen. Verus verstand ihn. Aber es ärgerte ihn dennoch maßlos. Ein dreckiges und stinkendes Weib hatte ihn gefällt. Was viele Untote nicht schaffte, schaffte ein Barbarenweib. Er dachte zurück an Mithraspera, wo sie einen geliebten Bruder zu Grabe trugen. Er merkte nicht, wie fest sich seine Finger um die Krug schlossen, so dass die Knöchel weiß hervortraten.

Am Spieltisch krachte es ordentlich, als Sunhilde auf den Tisch schlug. Velox sah genüsslich zu, wie die stolze Kriegerin ihr erspieltes Geld nun wieder verlor - an ihn! Die Wut blitzte in ihren Augen auf, und keiner wusste besser, was es heißt, wenn die wirklich freien Völker wütend wurden, als der Auxiliar. Doch hatte er eine Waffe gegen sie gefunden, nämlich seine eigene Kraft und Freiheit. Daher zog Velox Sunhilde sanft an ihren Zöpfen etwas näher heran und flüsterte: "Dir wird es nie wieder schlecht gehen, das versprech ich dir bei meinem Leben!" Ein ordentlicher Tritt gegen sein Schienbein holte Velox wieder aus seiner Wunschwelt heraus, und mit einem kräftigen Wurf des Würfelbechers lag auch schon die Pasch-Sechs oben auf! Verdammt! Ein Fluchen ging durch die Runde, und auch Velox war ein wenig wütend. Sunhilde war ein streitbares Weib, sie zu seiner Frau zu machen, würde ein Kampf werden. Darauf freute Velox sich, und Ria vergaß er schneller beim Anblick der Blonden als es ihm eigentlich lieb sein konnte.
Lif nahm den Würfelbecher. Sie hätte sich nie träumen lassen einmal mit Römern an einem Tisch zu sitzen und zu Würfeln. Um ihre Laune war es nicht sonderlich gut bestellt als sie hier anreisten, um sich ihnen zu unterwerfen. ‚Ruhig bleiben', hatte ihnen Alarich immer wieder, schmerzhaft, eingetrichtert. 'Ja ruhig bleiben', dachte sie sich nur. ‚Wie einfach so etwas doch klingt.'
Das einzige was ihre Laune ein wenig hob war die Tatsache, dass sie den Römern das Geld aus der Tasche zog. Sie sah zu ihren Gefährtinnen, die das hier auch noch zu genießen schienen. Sie tranken Met, würfelten und Sunhilde hatte sich dazu noch einen aus dem Gefolge der Römer angelacht. Sie gönnte ihr den Spaß auch wenn sie nicht verstehen konnte, wie ihre Gefährtinnen alles so einfach vergessen konnten.
Lif dagegen vergaß nicht, sie wollte auch nicht vergessen. Sie trank an dem Abend nur Wasser, um sich nicht zu berauschen und versuchte einfach nur 'ruhig' zu bleiben.
Sie hob den Würfelbecher. ‚Mir scheint, der Pott gehört wieder mir.' Sie zog lächelnd die Münzen zu sich jedoch kochte sie innerlich, ‚Römer'!
Enttäuscht wieder verloren zu haben nahm der Suebe den Würfelbecher, schüttelte nur einmal und knallte den Becher auf den Tisch. Viererpasch! "Oh Scheiße verdammt!", entfuhr es ihm. "Warum ausgerechnet jetzt? Kacke! Mist! Oh Mann!", fluchte Lynx vor sich hin und schob den Becher weiter. Jetzt hatte er mal einen Pasch und dann war er auch noch völlig unnötig. Ihn hätte nur noch zwei Sechsen helfen können. Der Platz vor ihm auf dem Tisch war leer. Die letzte Münze ging trotz eines Viererpasches an die Blonde. Er wollte schon aufspringen und die Runde verlassen, als ihm noch seine Glücksmünze einfiel. Bei einem Wurf in die Mitte, war die Münze wieder hochgesprungen und in seinem Becher gelandet. Alle hatten sie gelacht aber niemand hatte protestiert, dass Lynx die Münze an Ort und Stelle ließ.
Er setzte seine letzte Münze ein und wartete gespannt auf die Würfe der anderen. Die erste Runde verging ohne einen Pasch. Auch in der zweiten Runde warf niemand einen Pasch. Die Spannung stieg und Lynx rechnete sich immer größere Chancen aus. Er nahm den Becher, schaute sich die beiden Würfel nochmals genau an und fing an den Becher lange und ausdauernd zu schütteln. Die anderen wurden schon unruhig und langweilten sich. Lynx knallte den Becher auf den Tisch und hob ihn ganz vorsichtig an. Ein Blitz fuhr in ihn. Er hatte gewonnen! "Einen Dreierpasch", triumphierte er und zog die Münzen schon in seine Richtung. "Langsam, langsam", fuhr ihm die Bauchtänzerin dazwischen. "Es kommen noch zwei!"
Sie nahm sich den Becher, lächelte den Sueben an und schüttelte die Würfel durcheinander. Ohne viel Aufheben hob sie den Becher und präsentierte einen Fünferpasch. Der ganze Tisch lachte über den ungläubigen Blick des Sueben. Doch plötzlich wurde es schlagartig still, als sie die Wut in seinen Augen sahen. Langsam schob er seinen Stuhl zurück, stützte sich am Tisch auf und erhob sich.
Auf einmal war es totenstill im Raum. Die Gespräche verstummten und alle sahen zum Barbaren rüber. Er war nicht dafür bekannt ein guter Verlierer zu sein. Ein kleiner Auslöser reichte schon ihn explodieren zu lassen und da nahm er keine Rücksicht auf Freund oder Feind oder auf sich selbst.
"Ich geh pissen!" kam es lapidar und er verließ leicht torkelnd den Raum. Die Anspannung der Anwesenden platzte wie eine Seifenblase und so Mancher ließ erleichtert die angehaltene Luft raus. Die Gespräche wurden wieder aufgenommen und der Becher weitergereicht. Der Platz des Sueben blieb die nächste Zeit unbesetzt.
Gelangweilt beobachtete Jaleh das Würfelspiel. Glücksspiele wie dieses waren ihr zwar nicht fremd aber in ihren Augen nutzlos. Wie herrlich dagegen war das freundschaftliche Kräftemessen zweier Krieger, Kymys trinken mit dem Stamm und Sängerwettstreite an Lagerfeuern. ‚Ah, det ville være virkelig rart nu.'
Der Zornesausbruch des Sueben zerrte sie unsanft aus ihren Gedanken zurück an den römischen Tisch. Instiktiv griff die Sarmatin nach ihrem Messer und Schwert, zog die Waffen nicht, war aber alarmiert. Als Lynx den Schankraum verließ entspannte sie sich wieder und brummelte vor sich hin in einer Mischung aus Erleichterung und Wehmut um einen entgangenen Kampf. ‚For fanden så meget for sjov om aftenen.'
Von der Bedienung ließ sie sich ein Brot bringen und kaute darauf herum. Wieder landete sie in Gedanken in der Steppe. Das Brot schmeckte besser wenn man sich vorstellte, dass es saftiges Fleisch war.

Das Würfelspiel in Gesellschaft war genau das Richtige für Sunhilde, um sie von den Streitigkeiten des Tages abzulenken. Das Spiel und ein paar Schlücke Met brachten sie schnell auf andere Gedanken und auch das viele Glück beim Würfeln versetzten sie schnell in eine ausgelassene Stimmung.
Und dann war da noch diese Barbar Velox.. es war ihr gänzlich unmöglich seine Blicke und Worte zu deuten. Lauter Andeutungen wie eine für ihn nützliche Heirat mit ihr oder besser ihrem Würfelgewinn. Er konnte doch nicht wirklich glauben, dass solche Worte eine Barbarenkriegerin beeindrucken würden.
Sie ließ sich gern von den kleinen Rangeleien des Abends von diesem sonderbaren Velox ablenken und versuchte sich unberührt weiter dem Spiel zu widmen, doch eigentlich war sie ganz woanders.
Velox hatte den Moment mit Spannung beobachtet, als Lynx eine tödliche Atmosphäre geschaffen hatte. Velox wusste nur zu gut, dass Glückspiel mit Lynx bedeutete, dass man Glück hatte, wenn man den Abend überlebte.
Velox versuchte den Sueben regelmäßig zu beruhigen, dass er nicht zu den Waffen griff, aber selbst ein Barbar wie er hatte das Naturell des anderen zu beachten. Genauso wie Lynx ihm regelmäßig klar gemacht hatte, dass die Sache mit Ria tödlich enden würde. Velox brauchte nur an Gnaeus zu denken, um abzutauchen in eine Welt aus Hass und Rache...

Vor Velox' Augen wallte ein roter Nebel, und vergaß das Würfelspiel um ihn herum. Dieser Bastard Gnaeus hatte ihn verraten, und bedrohte Rias Leben. Er würde erst zufrieden sein, wenn dieser Prätorianer tot am Boden liegt. Sein Schädel wäre die ...
... eine blonde Mähne huschte im Augenwinkel vorbei - und Velox sah die Kriegerin, wie sie die Würfel warf. Sie gab ihm Frieden. Deswegen wollte er sie als Frau, nur wie sollte er das anstellen? Um ein wenig Ruhe zu haben, stand Velox auf, streifte mit seinem Blick den des Tribuns, und jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, war es ein Kampf um Überlegenheit. Auf dem Weg nach draußen, sah Velox den Sueben Wasser lassen, und zu irgendjemandem sprechen. Nur mit wem?

Hulda wischte sich den Schweiß von der Stirn und stöhnt. Wahrlich, so hatte sie sich den "Ausflug" mit Murus nicht vorgestellt! Keiner hatte vorher gesagt, dass sie schließlich allein die hohen Herren in dieser von den Göttern verlassenen Hütte im Wald bedienen sollte. Sie war Murus´ Sklavin, nicht die, dieser anderen Römer oder gar des sarmatischen Kettenhundes des Senators! Empört linste sie aus der Küche in Richtung der Barbarinnen. Statt zu würfeln uns sich wie Männer zu benehmen, sollten diese faulen Weiber auch was arbeiten! schoss es Hulda durch den Kopf. Missmutig warf sie das geschnittene Gemüse in den Topf und rührte um. Da erschallte auch schon der Ruf des Tribuns nach mehr Wein. Der soll ihm doch im Hals stecken bleiben! dachte sich Hulda, schüttete den Wein nachlässig in einen Krug und brachte ihn nach draußen zum Tribun, nicht ohne einen großen Bogen um die Sarmatin zu machen und ihr hinter ihrem Rücken die Zunge rauszustrecken. Schnell eilte Hulda in die Küche zurück, bevor noch jemanden einfiel, dass er Wein, Met oder Cerveza haben wollte. Wo nur Murus steckte? Mit dem wollte sie mal ein ernstes Wort reden. Sie war doch keine gewöhnliche Bediensklavin! Na warte Murus, heute Nacht werde ich Dein Lager nicht mit Dir teilen. Lieber schlaf ich bei den Ziegen. Vielleicht fällt Dir ja dann wieder ein, wozu Du mich eigentlich gekauft hast! Missmutig schnippelte sie weitere Zutaten in die Suppe und dachte sehnsüchtig an ihre Heimat und ihre Geschwister.

Nur vier römische Meilen weiter stand Legionär Ursus bis zur Mitte der Wade im Schlamm!
Er fluchte: "Bei Jupiters Schwanz!! Jedes mal das gleiche. Diese verfluchten Barbaren stiften Unruhe und ich muss es ausbaden!" Mit Unruhe meinte er den Aufstand Godhards und mit Ausbaden, dass er als erfahrener Legionär, wie der Optio grinsend behauptet hatte, den Anmarschweg der I. COH zum Aufenthaltsort des Tribuns, des Centurios und des Senators erkunden sollte. Längst hatte er mit Hilfe der drei ihm unterstellten germanischen Auxiliare den Weg zur Taverne gefunden und die Wachen Alarichs ausgespäht. Doch alle Wege dorthin waren eng, unübersichtlich, verschlammt und boten den Barbaren somit die Möglichkeit überall Hinterhalte aufzustellen und waren dadurch für die I.COH ungeeignet.
Nicht nur das nasskalte Wetter sondern auch der Umstand, dass er ohne seine Lorica im Feindesland unterwegs war sorgte für jede Menge schlechte Laune, die er an seinen barbarischen Auxiliaren bei jeder Gelegenheit ausließ!
Er nahm ein Schluck Wasser aus der Lederflasche und verscheuchte die Gedanken an seine warme Unterkunft im Legionslager und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgabe und den Bericht des Spähers: Alarich hatte also das Treffen verlassen und einige seiner Barbarbarenkriegerinnen zurückgelassen. Nach dem der junge Suebe geendet hatte befahl ihm Ursus nach einem kurzen Schluck aus dem Wasserschlauch direkt zum Optio weiterzureiten und diesem seine Beobachtungen mitzuteilen. Zusätzlich sollte der Bote auch die bisherigen Erkenntnisse des Spähtrupps an den Optio ausrichten und Ursus versetzte dem jungen Barbaren eine schallende Ohrfeige als er seinen Bericht falsch wiederholte. Und siehe da plötzlich vielen dem Boten die vergessenen Details wieder ein. ‚Einmal mit Profios arbeiten', dachte Ursus.

Bruna verließ mit ihrer Schwester die kleine Hütte, in ihrem Kopf diese vielen unausgesprochenen Gedanken...´ Als Gäste sollten sie die Römer begleiten, als Unterpfand! Eins sage ich euch ihr Römer, mein Bruder hat zwar sein Knie vor euch gebeugt um uns alle zu schützen, das heißt noch lange nicht, dass ich keinen eigenen Willen habe! Leicht werde ich es euch nicht machen! ´
Ihre Schritte wurden mit jedem Tritt, fester und härter, der Schlamm spritze recht und links ihrer Sohlen nur so davon und manchmal stellte sie sich die Gesichter vor die unter ihren Stiefeln im Dreck lagen. Gesichter der Männer die sie in Rage erschlagen hatte.

Plötzlich ein abwegiger fast unverzeihlicher Gedanke, ´vielleicht kann ich ja doch etwas von diesen Leuten lernen, vielleicht sind sie ja gar nicht so verkehrt wie wir dachten, vielleicht hatte Alarich ja recht sein Knie vor ihnen zu beugen....´. Wütend und still stapfte sie neben ihrer Schwester her auf dem Weg Abschied von ihrer Familie zu nehmen, viele waren nicht mehr übrig. Sie wollte nur etwas Ruhe bevor sie sich den Römern anschloss. Konnte man da doch vielleicht ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen erahnen?

Er war betrunkener als gedacht. Die Hitze und das lange Sitzen hatten die Wirkung des Metgemischs gemindert. Doch jetzt, wo er an die frische Luft kam, zog ihm der Alkohol fast die Füße weg.

Mit geschlossenen Augen lehnte er sich an den Stützbalken um ein wenig zur Besinnung zu kommen. Die kühle Nachtluft ließ ihn wieder etwas aufleben. Seine Sinne kehrten zurück und er wagte nun den Gang zum nächsten Baum. Normalerweise wäre er tief in den Wald gegangen um seine Ruhe zu haben aber jetzt war es ihm egal. Nur schnell das Wasser abschlagen und dann ins Lager ablegen.

Während er sich erleichterte hörte Lynx ein falsches Käuzchen rufen. Der Ruf war so schlecht imitiert, dass der Suebe sofort nach dem Verursacher Ausschau hielt und nach seiner Axt griff. Noch während er pinkelte machte er eine wild winkende Gestalt im nahen Gebüsch aus.
"Wasis?", brüllte er rüber. Lynx strengte sich an, den Kerl im Wald besser erkennen zu können, doch der Fackelschein reichte nicht bis hierher. Er nahm nur Umrisse und eine helle, winkende Hand wahr.
"Komm her, wenn du was willst. Ich brauch noch'n bisschen", fuhr der Barbar fort. Er hatte keine Angst. Alarich hat Ehre bewiesen und seine Leute respektierten ihn. Godhardt ist ein Kopf zu klein um hier noch was ausrichten zu können.
Endlich war er fertig und schnürte umständlich seine Hose zu. "Jetzt komm schon raus! Ich beiße nicht!"


Die Sarmatin folgte der Konversation zwischen Tribun und Senator mit wachsendem Interesse. Schon die Beredung zwischen den Beiden über die Forderungen Roms war höchst interessant gewesen. Die Kriegerin hatte sich stets vorgestellt das derartige Überlegungen bei den Römern in einem pompöseren Rahmen angestrengt wurden. Die Wirklichkeit war nur wenig anders gewesen als si auch an sarmatischen Lagerfeuern stattfand.
Was hatten Jaleh und ihre Stammesbrüder damals nicht alles geträumt - von Gold, Herden und ruhmreichen Töten und getötet werden, mit einem Mantel aus Skalpen erschlagener Feinde geehrt vor die Götter treten. Hmmm, ja ...den tid er forbi. Denn dazu müsste man erstmal wieder in die Lage sein mit den Göttern ungehindert zu kommunizieren.
So ganz verstand Jaleh die Intentionen des Tribun nicht oder aber sie war schon zulange mit dem Senator unterwegs. Wenn er denn die Kelten so verachtete, warum tat er nicht alles um die Überlegenheit Roms zu manifestieren und dem Princeps bei einer Rückkehr Provinzen und eine Armee zu bringen, die dem ersten Mann Reiches Respekt einflößte vor dem Anführer dieser Armee und wer sollte das anderes sein als der Tribun selbst? Aber dieser dachte wohl zusehr mit dem Schwert unter seiner Tunika als mit dem an seiner Hüfte.
Als sie den Senator ähnliches sagen hörte musste die Sarmatin lächeln. Vor dem Krieg mit den Römern hatte der Rakhshan Xei-jan ähnlich gesprochen bis er dem Xei beim jährlichen Fest der Klane vor aller Augen im Kampf den Kopf abgeschlagen damit selber zum Rakhshan-Xei wurde und zum Krieg gegen Rom aufrief. Und die Klane der Jazygen waren ihm begeistert gefolgt und hätten sich bis zum letzten geopfert, wenn der Xei nicht die Übermacht Roms anerkannt hätte. Doch Rom funktionierte anders. Jaleh seufzte und folgte dem Senator in die Küche auf dem Weg dorthin zeigte sie Hulda ihre Zähne und ließ ihren Dolch aufblitzen. In der Küche angekommen trank sie schnell ein paar Schlucke Wasser und schnappte sich ein weiteres Brot in der Hoffnung damit ihren Magen zu beruhigen der ihr schon den ganzen Abend mit heftigen Krämpfen zusetzte. Doch die Technik " den Schmerz locker wegzuatmen", den der Schwertmann ihres Vaters den Klankindern in langen quälenden Lektionen beigebracht hatte, funktionierte wie immer um wenigstens nach außen den Schein zu wahren. Alt er godt, domine? fragte sie den Senator ein wenig besorgt.
Der Senator hatte sich noch nicht wirklich an die Sprache der Sarmaten genug gewöhnt um sie immer zu verstehen. "Was Jaleh? Was für ein Gott? "
Die Kriegerin verkneift es sich mit den Augen zurollen. "Ikke Gud, men godt, domine." (Igge Gul men go') Dann versucht sie es noch mal.
"Vil siger(wil si'er): Wie gehn dir gut, Herr? Sehen aus mit Sorge. Welchen Sorge nicht meine Sache, jeg ved med (jej vel mel), müssen Sorgen um Wohl von domine. Bitte sagen wenn ich tun kann noget (no'et). Ja?"
"Ja Jaleh, danke, aber es sind nur die alltäglichen Dinge im Leben eines Politikers. Das Unverständnis und die Behauptung wir würden nicht verstehen wie es im Militär ist. Aber damit komm ich schon klar! "
Er nahm sich etwas vom Wasser und ging wieder zurück zum Tribun an den Tisch.
Der Tribun beschloss nachsichtig mit seinem alten Freund zu sein. Obwohl der Senator einst selbst als Tribun bei der Legio VI Victrix in Germanien gedient hatte, war er doch Vollblut-Politiker geworden. Die übliche Ignoranz des Politikers gegenüber dem Militär und die daraus resultierende Arroganz, sich mit ‚Sachkenntnis' in militärische Dinge einzumischen, waren dem Tribun nur allzu bekannt. Diese Leute dachten nur in belanglosen Zahlen und die Münzen, welche sie scheffeln konnten. Und ihre Macht.
Die Macht welche die Legionen Roms ihnen verliehen hatte. Die Macht welche durch den blanken, kalten spanischen Stahl in den Händen grimmiger Legionäre bis in die kleinsten Winkel der Welt gebracht worden war. Solange die Zehnte seinen Vorstellungen entsprach, nämlich ein wildes Ungeheuer aus Männern wie Eisen, die auf seinen Wink hin, alles und jeden vernichtete. Solange der Glanz und die Macht Roms sich in den Augen dieser Männer, in ihrer gewaltigen Kraft und in ihrem unbeugsamen Willen zu siegen, widerspiegelte und solange er sich auf ihre legendäre Treue und bedingungslose Freundschaft verlassen konnte - was kümmerten ihn da diese Krämerseelen. Was hatte Lynx einstmals gesagt: "Was kümmert es die suebische Eiche, wenn ein Schwein sich daran reibt?"
Bevor er seine geliebte Legion verweichlichen oder mit dem minderwertigen Blut Mitrasperas verwässern ließ, verzichtete er auf solche Forderungen.
Männer wie Alarich, ja die hätten Platz in einer der Cohorten gefunden, aber den Rest oder gar Weiber? Die waren eher was für die Hilfstruppen. Und mit denen sollte dieses Politikerpack ihre Kriege führen, aber nicht mit seiner Legion!
Der Unterschied war nur, dass er es von Congerius duldete.
Er wusste, dass der Senator ein wahrer Römer war, auch wenn er sich den hiesigen politischen Gegebenheiten besser anpassen konnte. In dieser Hinsicht war Aquila zu stur und ein echter Catonianer. Einem anderen hätte er diese Reden nicht durchgehen lassen, davon zeugten einige Grabsteine. Seine Aufmerksamkeit fiel auf Lynx, der gerade den Raum verließ. Die Prügelei mit der Sarmatin hatte dem Tribun eine unschöne Sache aufgezeigt. Sie hatte verdeutlicht, dass der Suebe kein Soldat war. Ein Legionär hätte selbst in größter Rage auf ein Wort des Tribuns hin, von seinem Ziel abgelassen. Lynx war erst zu Besinnung gekommen, als Aquila ihm in den Arm gefallen war, um ihm die Waffen abzunehmen.

Nachdem Jaleh Hulda erneut zu verstehen gegeben hatte, dass sie Hulda lieber tot als lebendig sehen würde, war es um Huldas Stimmung ganz geschehen. Sie wünschte sich weit fort oder lieber auch tot als weiterhin Sklavin dieses römischen Packs zu sein! Wenn da nur nicht Murus wäre. So einen guten Herren hatte sie noch nie und noch dazu einen, der so gut aussah und ach...
Die Suppe kochte über, Hulda fluchte in ihrer Landessprache und nahm den Topf vom Feuer.
Wo bei allen Göttern steckte nur Murus. So lieb und nett und gutaussehend er war, war er doch manchmal etwas schusselig, wie es Hulda schien. War er in die Latrine gefallen? Hulda beschloss nachzusehen und stahl sich durchs Küchenfenster davon in den Hof.

Die Sarmatin brauchte ein wenig um den für sie zu schnell gesprochenen Redeschwall des Senators zu übersetzen. Die Kriegerin fasste seine Aussage als "Utilfredse med den nuværende og generelle situation" (Utilfrelse mel den nuvärenle og generelle situasion) zusammen. Da kollidierten wohl zwei Versionen Roms in dieser Taverne. Wie auch immer das ausging es würde "interessant" werden.
Noch leicht in Gedanken folgt sie dem Senator zurück zu seinem Platz nicht ohne noch aus den Augenwinkeln die Sklavin des Priesters beim umständlichen Klettern durch das Küchenfenster zu sehen. Die Sarmatin schüttelte den Kopf und fragte sich welcher verwirrte Geist in die Sklavin gefahren sein musste der sie nun zu solchen Taten antrieb. Vielleicht war sie ja auch eine verdorbene Priesterin... wie nannten einige Völker das? Ach ja - en Heks.
Die Sarmatin hielt Ausschau nach den örtlichen Barbarinnen um sie in einem unbeschäftigten Moment zu bösen Geistern und verdorbenen Mächten dieser Gegend befragen zu können.

Der Mann im Busch traute sich wohl nicht raus, zumindest trat er nur sehr ungern ins Fackellicht. Er war ungerüstet und nur leicht bewaffnet, ohne Gepäck. Lynx erkannte einige Gegenstände am Gürtel des jungen Mannes, die er als eindeutig römisch identifizieren konnte. Kein Einheimischer schlussfolgerte der Barbar richtig.
"He, dich hab ich doch schon mal gesehen, oder?", überlegte Lynx. "Moment, ach Kacke, der Name fällt mir grad nicht ein." Welch Wunder!
"Cassius, Späher bei der ersten Cohorte. Wir sind uns schon ein paar Mal begegnet." Lynx konnte sich zwar keine Namen merken, aber an Gesichter konnte er sich recht gut erinnern.
‚Genau, du bist der, der sich immer als Suebe ausgibt - Milchgesicht', erinnerte sich der Suebe. Er konnte den Kerl nicht leiden, wusste aber auch nicht woran es lag. Cassius war stets bemüht und gehorchte den Anweisungen prompt und gewissenhaft. Vielleicht lag es daran, dass er dem Alten so nacheiferte und schon so manche unnötige Schlägerei ausgelöst hatte. Lynx kam nicht in den Sinn, dass er bereits weit mehr Schlägereien, teilweise mit Einsatz von Waffen, angezettelt hatte. Und das oft aus nichtigen Gründen.
"Komm mit rein. Drinnen ist der Tribun und Centurio Verus. Denen musst du berichten wo die erste Cohorte wartet. Kann sein, dass ihr gar nicht mehr kommen müsst oder vielleicht nur eine Centurie. Aber das wird dir der Tribun dann schon selbst sagen.
Sag mal, bist du alleine hier? Wie hast du in der Dunkelheit her gefunden?"
Cassius wollte gerade anfangen zu berichten, als er auch schon wieder von Lynx unterbrochen wurde. "Ach egal. Berichte den Römern!" Der Barbar griff den jungen Späher untern Arm und führte ihn in die Stube.
Vereinzelt drehten sich Köpfe zur Tür, um zu sehen, wer zurückkehrte. Als sie erkannten, dass ein Neuer den Raum betrat, wurde es still und die restlichen Anwesenden drehten sich zu den Ankömmlingen.
"Tribun, Centurio, hier ist jemand, der euch sprechen will. Cassius von der Ersten. Tritt vor und berichte", wandte er sich an den Späher. "Und geh näher hin, es muss nicht jeder mitbekommen, was du zu sagen hast", setzte er leise hinzu.
Cassius der Späher trat zum Tisch des Tribuns und wartete auf das Zeichen sprechen zu dürfen. Lynx blieb an der Tür stehen und konzentrierte sich auf Aquila und den Centurio. Sobald sie ihm ein Zeichen gaben, würde er nach draußen eilen um nach dem Rechten zu sehen.










So langsam kroch die Eiseskälte in seine Knochen. Ihm war es äußerst schwer gefallen auf zu stehen und die behagliche Wärme seines Lagers gegen die klirrende Kälte der Nacht einzutauschen.
Über Nacht waren einige Schneeflocken gefallen und auf dem gefrorenen Boden liegen geblieben. Die Dämmerung war noch fern und der Himmel wolkenverhangen, so dass er mit tiefster Finsternis gerechnet hatte. Doch durch den Schnee war die Sicht wenigstens ausreichend um nicht die Orientierung zu verlieren. Mittlerweile war Lynx über eine Stunde marschiert. Den Rückweg würde er durch seine Spuren spielen leicht wieder finden. Trotzdem markierte er gelegentlich den Weg mit seinem Messer. Der Boden war glatt und er kam nur langsam voran. 'Boah, jetzt in Rüstung, nee Danke'. Er war froh seine zweite Wolltunika übergezogen zu haben. Sein Magen knurrte und er hatte keine Lust mehr.

Ursus war schon eine ganze Weile unterwegs, als das erste Morgenlicht im Osten graute. Die ersten Lichtstrahlen ließen den frisch gefallenen Schnee glitzern und jeder Schritt knirschte verdächtig laut im Schnee. Nach so langer Zeit in heißen gebieten genoss Ursus den Wintereinfall. Die Luft war klar und füllte seine Lunge mit Frische und vertrieben die letzte Müdigkeit der durchwachten Nacht. Da er als kleiner Junge an der germanisch-römischen Grenze aufgewachsen war wusste Ursus, dass man seine Schritte jetzt kilometerweit hören konnte und legte deshalb ab und zu einen kurzen Horchhalt ein. Er war sich seit längerem sicher, dass er an diesem Morgen nicht allein durch die Wälder streifte. Nicht, dass er um alles in der Welt unbemerkt zu diesem Gehöft gelangen wollte. Nein diese Barbaren mussten die Anwesenheit der Römer sowieso längst bemerkt haben, aber er wollte auf keinen Fall ein paar übermütigen jungen Barbarenkriegern in die Hände fallen. Schon um keinen Ärger zu bekommen, dafür, dass er diese einfach so umgebracht hätte und damit jegliche Verhandlungen unmöglich gemacht hätte. Schon mehrfach hatte er Bogen geschlagen um den anderen dazu zu verleiten sich ihm zu zeigen, doch der andere hatte seine Taktik stets durchschaut. Ursus sah sich gezwungen alle Register zu zeihen und kehrte um. Im Laufschritt lief er dahin wo er gerade hergekommen war und überrumpelte damit seinen Verfolger. Er lief direkt in die Arme von Lynx!
Lynx hatte Ursus schon lange bevor dieser ihn bemerkt hatte gesehen und erkannt. Er war ihm nachgeschlichen um ihn kurz vor dem Gehöft abzufangen und dem Legionär einen ordentlichen Schreck einzujagen. Seitdem die beiden sich bei Schanzarbeiten kennengelernt hatten, hatten sie ständig aus allem was sie taten einen Wettstreit gemacht. Da Lynx der wesentlich bessere Späher war hatte er natürlich längst bemerkt, dass Ursus auf ihn zu kam und hatte sich mit einem großen Satz hinter einem Busch versteckt ohne dabei verräterische Spuren im Schnee zu hinterlassen. Als Ursus nun an Ihm vorbeistürmen wollte warf ihm Lynx einen Stock zwischen die Füße! Ursus fiel unkontrolliert kopfüber in den Schnee, schaffte aber sich abzurollen und wieder auf die Beine zu kommen. Mit einer fließenden Bewegung zog er sein Gladius und wollte zum Angriff übergehen, als er bemerkte wer sich da einen Scherz mit ihm erlaubt hatte. Er nickte Lynx anerkennend zu und steckte sein Schwer zurück in die Scheide. Plötzlich konnten beide Männer ihr lachen nicht mehr zurückhalten und prusteten laut los! Als sie wieder einigermaßen zu Atem gekommen waren sagte Ursus: "Ave Lynx! Was machst du denn hier?"
"Ich ging hier so für mich ein wenig spazieren, als ich mir dachte, geh ich doch einfach mal auf Bärenjagd. Da ich keinen einheimischen Bären erlegen konnte, habe ich mich für einen römischen Ursus entschieden." Sie umarmten sich kurz und heftig, klopften sich gegenseitig auf den Rücken und anschließend den Schnee aus den Kleidern. "Nee, im Ernst", fuhr der Barbar fort, "ich wollte nur sicher gehen, dass der Weg für den Tribun und den Senator passierbar ist. Nicht, dass wir hier irgendwo steckenbleiben. Außerdem wollte ich mal nachsehen gehen, wo denn die I. Cohorte bleibt. Ich hatte heute Morgen schon mit eurem Kommen gerechnet, nachdem Cassius das Maul so weit aufgerissen hatte, dass ich problemlos zwei Fäuste hätte rein schlagen können."
Ursus merkte sofort, dass Lynx nicht gut auf seinen Späher zu sprechen war. "Sag mal, bist du alleine hier? Wo sind die anderen Späher, wo ist die Truppe?", fragte Lynx besorgt. "Die anderen Späher sichern den Vormarsch der ersten Kohorte. Der Centurio versucht jetzt das gerade zu ziehen, was unser werter Cassius verbockt hat! Er will die erste Kohorte so in Stellung bringen, dass wir wirklich ab Alarmierung in zwei Stunden da sein können", antwortete Ursus. "Ja dieser Cassius ist wirklich ein Problem, dass habe ich gleich gesagt aber er sollte eben lernen! Na ja, jetzt mahlt er Mehl in der Kohortenküche, da hat er Zeit zur Vernunft zu kommen. Tja Lynx, da geht wohl die nächste Runde Wein auf meine Rechnung. Du hast mich ganz schön alt aussehen lassen! Erzähl das ja keinem Offizier!"
"Heißer Met würde es auch tun aber ich trinke natürlich auch Wein", freute sich Lynx auf das nächste gesicherte Getränk. "Ich denke, dass das mit der Alarmierung kein Problem sein wird. Tribun Aquila dürfte noch in den Fellen liegen und dann erstmal ausgiebig frühstücken. Unser Problem ist Centurio Verus. Der hat bei einem Überfall sein Bein verdreht und kann nur noch humpeln, und das sehr langsam. Der kommt hier nicht allein den Weg zurück. Der müsste meines Erachtens getragen werden. Ein Ausrutscher auf diesem vereisten Boden und sein Knie ist im Arsch.
Vielleicht könntest du noch einen Späher zurück schicken und für eine Trage sorgen."
Ursus überlegte kurz und fragte dann, "wie ist überhaupt die Lage bei euch?" Er war sich nicht mehr sicher, ob er den Ausführungen von Cassius noch hundertprozentig trauen konnte. Lynx klärte ihn kurz auf und berichtete vom Überfall der Einheimischen, von der Ankunft von Alarich und seinen Kriegerinnen und dem Abkommen.
"Der Bruder Gothard ist einen Kopf kürzer, Alarich hat sich mit seinem Stamm Tribun Aquila unterworfen und seine Waffen gestreckt. Die durfte er übrigens wegen Tapferkeit behalten. Er ist jetzt mit uns verbündet. Alarich ist ein Ehrenmann. Dem traue ich. Zumindest bis zum Sommer. Das heißt, der Weg zur Hütte ist relativ sicher. Ich denke nicht, dass die wenigen Anhänger des toten Gothard noch groß auf Ärger aus sind. Da müsste eigentlich eine Zenturie langen. Die wäre auch schneller hier und könnte die Zeit noch einigermaßen einhalten", erklärte Lynx verschmitzt. "Aber das soll natürlich der andere Centurio entscheiden. Zu bedenken ist auch, dass das Volk hier, hm, ich weiß gar nicht wie die sich nennen, sehr viele Verluste hinnehmen musste und außerdem noch die 5. Cohorte im Nacken sitzen hat. Das sollte man vielleicht auch noch bedenken, bevor man so viele Männer auf die Reise schickt." Der Kurzbericht des Sueben stimmte mit den Informationen die Ursus von Cassius erhalten hatte einigermaßen überein. Eine weitere Bestrafung für den Späher hatte sich somit erledigt.

Aus dem völlig verschneiten Unterholz beobachteten drei Augenpaare, wie der Römer in den Schnee stürzte. Aber anstatt, dass der in Fell gekleidete Barbar ihn mit seiner Axt erschlug, umarmten sie sich und fingen zu quatschen an. "Der bringt ihn ja gar nicht um?", flüsterte eine der drei Gestalten. "Halts Maul!", zischte sein Nebenmann. Sie lagen auf dem Bauch unter einer Tanne, die schwer unter der Schneelast zu tragen hatte. Vor wenigen Tagen hatte es noch in Strömen geregnet und nun, binnen zweier Nächte, hatte Väterchen Frost das ganze Land in seiner eisigen Faust. "Ich dachte nur", begann der Erste wieder. "Du sollst nicht denken, du Trottel! Du sollst machen was ich sag!", unterbrach ihn der andere. "Ihr solltet beide still sein, sonst hören sie uns in dieser gedämpften Stille, ihr Schwachköpfe! Wir sind zu dicht dran", sagte die Person, eine Frau. Sie hatten ohnehin großes Glück gehabt, dass der Suebe sie nicht bemerkt hatte. Sie hatten sich unter die Tanne, in Felle verkrochen und geschlafen und waren erst durch das Geschepper der Rüstung des Legionärs wach geworden. "Wenn die beiden in die Richtung gehen, in die der Römer wollte, könnten wir sie erwischen!", sagte Askan, der Anführer. Die Frau nickte. "Den Gepanzerten schaffen wir nicht so ohne weiteres". Abermals nickte die Frau. Diese bittere Erfahrung hatten sie gerade erst gemacht. Als Gothard sie gegen die sechshundert Römer in die Schlacht geführt hatte, waren sie noch siegessicher gewesen. Größer, wilder und zahlenmäßig überlegen waren sie gewesen. Aber diese Männer aus Eisen und Stein hatten sie wie Vieh abgeschlachtet. Nun war Gotthard tot und die Reste seiner Truppen in alle Winde zerstreut. Noch dazu besagten Gerüchte, sein Vetter Alarich habe sich auf Seiten der Römer geschlagen.
"Glaubst du, du triffst ihn mit deinem Bogen?", erkundigte sich Askan. "Ja, aber ob der Pfeil seine verdammte Rüstung durchschlägt, wag ich zu bezweifeln", antwortete Ostara. "Egal, es reicht wenn dieser Ochse von Mann für einige Augenblicke abgelenkt ist, dann erledigen Roar und ich den Rest. Der zweite sieht ebenfalls gefährlich aus, aber wenigstens trägt er keine Rüstung!" Roar war vielleicht etwas einfältig, dafür hatte er eine ähnliche Statur wie der Römer da unten und der Kampf lag ihm im Blut. Alle drei wussten, dass dieser Überfall ihre letzte Chance auf klingende Münze war. Jetzt wo der Winter hereingebrochen war, schwand die Wahl auf Verhungern und Erfrieren oder Rauben und vielleicht dabei umkommen. Wenn es sich außerdem um diese verhassten Römer handelte, konnte es ihnen nur recht sein.

Mittlerweile war es schon so hell geworden, dass das Licht für eine Truppenbewegung ausreichend war. So langsam wurde es Lynx kalt. Durch die Hatz hinter Ursus her, war er ins Schwitzen gekommen und kühlte jetzt schnell aus. "Ich weiß nicht wie es jetzt mit dir ist, aber ich muss wieder zurück Bericht erstatten. Es kommt immer gut, wenn der Tribun vorm oder zum Frühstück über alles informiert wird. Dann hat er noch genügend Zeit zu entscheiden und kann den Tag mehr in Ruhe angehen. Kommst du gleich mit oder kehrst du noch mal zur Cohorte zurück?"
"Nein, nein die Befehle waren eindeutig. Ich darf keine Zeit verlieren, ich muss zum Tribun!" sagte Ursus und Lynx erwiderte, "Dann sollten wir uns schleunigst auf den Weg machen! Außerdem frieren wir sonst hier fest!" Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Hütte. Der Marsch durch den Wald war besonders für Ursus in seiner Lorica beschwerlich, trotzdem beschwerte er sich nicht und versuchte Lynx sogar abzuhängen. Da Lynx seine Kondition nicht verstecken brauchte und ausgeruht und ungerüstet war hielt er spielend mit Ursus mit. Im Gegensatz zu dem Legionär, der sich nur noch aufs Vorwärtskommen konzentrierte, war der Späher wachsam und ließ seinen Blick steht überall umherstreifen.
Seiner Wachsamkeit war es auch zu verdanken, dass Lynx an diesem Morgen nicht nach Walhall gelangte. In dem Augenblick, als sie gerade lostrabten, warf er sich zu Boden, während er Ursus eine Warnung zurief. Der gefiederte Schaft eines Pfeils blieb zitternd in dem Baum stecken, hinter dem sich Lynx zuvor versteckt hatte. Das Geschoss hatte dem Sueben glatt die Ledermütze vom Kopf gefegt. Sofort versuchte er den Schützen auszumachen.
Mit einem Brüllen zog Ursus sein Gladius. Bei Frost blieben die Klingen manchmal stecken, aber der Legionär hatte sein Schwert mit solcher Gewalt aus der Scheide gerissen, dass die Aufhängung gerissen war. Doch der nächste Pfeil schlug schon ein und traf Ursus mitten in die Brust. Der Pfeil explodierte auf dem Stahl seiner Rüstung, aber der Aufprall war so gewaltig, dass er den Legionär erneut von den Beinen holte.

Benommen schüttelte Ursus seinen Kopf und ließ einen gutturalen Wutschrei los. seine Brust schmerzte und er war sich sicher, dass er ei oder zwei Rippen geprellt hatte. Ein Blick über die Brustplatten seiner Lorica zeigte jedoch, dass der Pfeil nicht durchgedrungen war. Ein kurzer Seitenblick zu Lynx der sich schon in Deckung gebracht hatte sagte Ursus dass die Gefahr noch lange nicht vorbei war. Er schrie zu Lynx hinüber: "Unsere einzige Chance liegt darin die Distanz zu überwinden und diesen Hund fertig zu machen!"
Für einen Augenblick geriet Ostara in Panik. Wie zur Hölle hatte der Kumpane des Römers ihrem Pfeil ausweichen können? Wenigstens hatte sie den Legionär getroffen. Er brüllte schon vor Schmerz. Sie spähte so gut es ging, wollte aber ihre Position noch nicht verraten, ehe ihre Gefährten die Römer von hinten packen konnten. Im richtigen Augenblick würde sie Pfeil um Pfeil abschießen. Während sie wartete zählte sie weiter, so wusste sie in etwa, wann Askan und Roar zum Angriff bereit waren.

'Das war knapp. Einen Fingerbreit tiefer und ich wär am Arsch', dachte Lynx erschrocken und sah seine Kappe im Schnee liegen. Den Pfeil konnte er nicht sehen, denn er steckte auf der anderen Seite des Baumes, hinter dem er Deckung gefunden hatte. Dann hörte er Ursus aufbrüllen. Er war getroffen worden! Schon wollte der Bär vorstürmen, doch der Barbar hielt das für keine gute Idee. Ein Bogenschütze ist selten allein.
"Such dir Deckung, da müssen noch andere sein", brüllte er zurück und sah sich schnell um. Keine fünf Schritte sah er eine Bewegung hinter einem Dickicht. "Achtung, mindestens einer ist noch hier. Halt die Augen offen und den Kopf unten, bevor wir von mehreren Seiten aus angegriffen und beschossen werden", rief er weiter. Er kniete nieder, bereit jederzeit aufzuspringen, und hielt seinen Speer bereit. Jetzt hätte er gerne Schwert und Axt zum Kämpfen gehabt, doch hatte er auf die Waffen verzichtet, um ungehindert laufen zu können. Aber auch mit dem Speer konnte er wieder umgehen, so wie früher in seiner Heimat, als sie noch seine bevorzugte Waffe war.
Vorsichtig spähte er auf der anderen Seite des Baumes nach dem Römer. Er stand hinter einer mächtigen Buche und hielt sein Gladius in der Hand. 'Immerhin scheint er unverletzt!', stellte Lynx erleichtert fest. Mit einem Handzeichen gab der Barbar zu verstehen, von wo der zweite Feind kommen würde und deutete in die andere Richtung.
Diesmal hörte er es knacken. Der Gegner musste wenige Schritte von ihm entfernt in Deckung gegangen sein. Es schien, als wäre es zu einem Patt gekommen. Zumindest für kurze Zeit. Blieb die Frage, wie viele Gegner sich noch anschleichen würden.
Jetzt war es soweit. Beide Gefährten mussten nun den Angriff wagen - sie hatten nichts mehr zu verlieren. Als Ostara sich mit aufgelegtem Pfeil aus ihrer Deckung erhob, stieß sie einen Triumphschrei aus. Fieberhaft suchte sie nach einem Ziel. Aber weder der Barbar in dem Fell, noch der Römer war zu sehen. Von ihrer erhöhten Position aus konnte sie sehen wie Askan und Roar sich an den Gegner heranarbeiteten.
Die beiden Männer stürmten von hinten auf die Römer zu, aber scheinbar hatten diese derartiges erwartet, denn der Hüne warf sich ihnen entgegen, blieb aber halb hinter einem Baum, so dass sie nicht schießen konnte. Sie macht einige Schritte an den Abhang heran, um besser zielen zu können.
Lynx Blick heftete sich sofort an die Silhouette des Schützen. "Den hol ich mir! Wirst du fertig mit denen?", rief Lynx dem Legionär zu. Aber Ursus war schon den beiden Kriegern entgegen gesprungen. Mit kurzem Blick schätzte Lynx die Situation für Ursus ein und entschied, dass die beiden nicht an das Können des Legionärs heranreichten, obwohl einer annähernd so groß war wie er selbst. Das nächste Surren zwang ihn zum handeln. Der Schütze war gefährlicher als die beiden mit Schwert und Kriegshammer bewaffneten. Ostaras Pfeil war an Ursus Schulterpanzer abgeglitten und irgendwo ins Unterholz gekracht. Der Römer hatte ihn nicht einmal zu Kenntnis genommen.
Gerade als sie den nächsten Pfeil loslassen wollte, nahm sie den Schatten war, der aus dem Gebüsch in ihre Richtung stürmte. Sie ließ zu früh los und das Geschoss verfehlte sein Ziel erneut. In diesem Augenblick begann sie sich wirklich zu fürchten. Normalerweise schoss sie nicht daneben. Der Barbar sprang wie ein Berglöwe im Zickzack auf sie zu, den Speer erhoben. Noch einmal schoss sie und ein helles >Pling< belohnte ihr Können. Doch sie traute ihren Augen nicht. Der Pfeil war von dem Stichblatt des Speeres abgeprallt. Es konnte nicht mehr lange dauern und der fellbehangene Krieger war in gewaltigen Sätzen bei ihr. Sie ließ den Bogen fallen und zog ihre beiden Kurzschwerter.

Ursus hatte die beiden anderen Gegner nach dem Hinweis von Lynx auch Bemerkt und war froh als sie brüllend aus ihrer Deckung hervorbrachen. Jetzt hatte er endlich ein würdiges Ziel um seine seit Tagen angestaute Wut loszuwerden. Beide Gegner waren zwar ungerüstet aber sie trugen beide mehrere Schichten Fell und waren mit einem Kriegshammer und einem langen Schwert bewaffnet. Beide Waffen waren länger als Ursus' Gladius!
Mit einem breiten Lächeln im Gesicht warf sich Ursus dem Näheren der Beiden entgegen, duckte sich im letzen Moment unter einem gewaltigen Hieb des Kriegshammers hinweg und ließ den Barbaren über sein Schienbein stolpern. Von der Wucht des eigenen Hiebes und aus dem Gleichgewicht gebracht, wurde der Krieger von den Füßen gerissen und landete im Schnee. Für Ursus war keine Zeit geblieben um sich weiter um den Hammerkämpfer zu kümmern, denn schon drang der Zweite auf ihn ein. In letzter Sekunde gelang es Ursus seinen Kopf auf die Brust zu reißen und so glitt der Stoß des Barbaren über den Metallreifen der seinen Helm verstärkte. Ursus Kopf wurde dadurch nach hinten gerissen. Doch Ursus versteifte seine gesamte Muskulatur und leitete die Wucht über seinen Körper weiter und nutzte dies um dem Gegner sein Gladius tief in den Unterleib zu rammen. Tief grub sich das Gladius in den Körper und verhakte sich an irgendwelchen Knochen.
Der Legionär versuchte sein Kurzschwert mit einem Ruck wieder aus dem Wanst des Barbaren zu reißen; aber vergeblich. Von hinten näherte sich der Hammerkämpfer wieder und brüllte seinen Kriegsschrei: Thyr! Thyr! Thyyyyyyyyyyyr! Ursus ließ den Griff des Gladius los und warf sich zur Seite. Der gewaltige Schlag verfehlte zwar Ursus, nicht aber den tödlich Verwundeten aber immer noch stehenden Schwertkrieger. Krachend fuhr der Hammerkopf auf den Brustkorb nieder und gab dem Schwerverwundeten den Rest.
Roar stutzte einen Augenblick. Das hier lief nicht wie geplant. Mit Schrecken stellte er fest, dass sein Hammer Askans Brust zerschmettert hatte. Er war wie ein Stier auf den Römer losgerannt, doch dieser hatte ihn gegen das Bein getreten und ihn von den Füßen gefegt. Bis er sich aufgerappelt hatte, war sein Gefährte schon in ein tödliches Ringen verstrickt. Welches er, Roar, nun so unglücklich beendet hatte. "Das büßt du mir, Römer!" Mit donnernder Stimme brüllte er seinen Kriegsschrei und schlug seinen mörderischen Hammer mit aller Kraft auf den Schild des Legionärs.

Indes war Lynx beim Bogenschützen angelangt. Ohne Erstaunen stellte er fest, dass es eine Frau war. Nach der Bekanntschaft von Alarichs Kriegerinnen, hatte er beinahe mit so etwas gerechnet. "Gib auf Schlampe!", knurrte er und hoffte sie damit in Wut zu versetzen. Und in der Tat. Ostara fletschte die Zähne und ging zum Angriff über. Für einen winzigen Moment dachte Lynx daran die Frau zu schonen und sie am Leben zu lassen. Doch schon ihre ersten probeweise Angriffe und Finten zeigten, dass sie eine erfahrene Kämpferin war.
Während er sich zunächst damit begnügte ihre Attacken abzuwehren und sie mit dem langen Speer auf Distanz zu halten, überlegte er, ob er sie nur verwunden sollte, um sie noch verhören zu können. Doch ein Ausfall ihrerseits beendete sämtliche Besonnenheiten.
Der scharfe Stahl ihres Kurzschwertes fuhr ihm über den Oberschenkel und hinterließ einen dünnen, aber schmerzhaften Schnitt. Sie hatte dasselbe Bein getroffen, welches Tage zuvor schon von Gothards Leuten verwundet worden war. Mit einem Knurren ging er zum Angriff über. Ostara war kein schwaches Mädchen und sie hatte dem Tod schon oft ins Auge gesehen, aber was nun kam, traf sie bis ins Mark. Der Gesichtsausdruck des Germanen hatte sich in blanke Raserei verwandelt. Seine Augen loderten und sie starrte ihn einen Moment zu lange an. Lynx Speerspitze schmetterte gegen die Klinge der Kriegerin, indes der Schaft in ihr Gesicht krachte. Knochen und Zähne zersplitterten und ein Schwall Blut spritzte dem Sueben entgegen, auf den er nicht achtete.
Er trieb seinen Speer mit solcher Macht in den Leib der Kriegerin, dass die Spitze am Rückgrat wieder austrat. Seine eigene Wucht warf ihn selbst und die sterbende Frau um.

Der gewaltige Schlag des elenden Barbarenbastards jagte eine heiße Schmerzwelle durch Ursus Schildarm. Mit einem Ausfallschritt zur Seite entkam Ursus dem nächsten Hammerschlag. Seines Gladius' beraubt musste sich Ursus dringend etwas einfallen lassen den sein Gegner schien wesentlich erfahrener und geübter als es zunächst den Anschein hatte. Der Hammerschwinger kombinierte gekonnt stöße mit dem Stielende des Hammers mit gewaltigen und flinken Schwingern. Ursus wurde in langsam aber sicher immer mehr in die Enge getrieben! Er passte einen weiteren Schlag ab und griff mit seiner Schwerthand an den oberen Messingrand seines Scutums, so dass er nun den Schild in beiden Händen hielt und ging zum Angriff über. Mit aller Kraft stieß er die untere Schildkante auf den Fuß des Kriegers und hörte zufrieden wie einige seiner Mittelfußknochen brachen. Aus dem gleichen Schwung heraus schlug er dem Barbaren die Faust, die immer noch den oberen Schildrand festhielt, ins Gesicht. Auch hier war das Brechen von Knochen zu hören und kündete vom Erfolg Ursus'.
Mit einem überraschten und benommenen Grunzen brach der schwer getroffene Barbarenkrieger zusammen. Ursus schlug ihm vorsichtshalber noch mal mit aller Gewalt vor seine linke Kniescheibe (aus seiner Grundhaltung beim Kampf hatte Ursus ersehen können, dass er Rechtshänder war und somit links sein Sprungbein hatte) und trat ihm den Kriegshammer aus den schlaffen Händen. Ein Blick zu Lynx, der sich gerade wieder aufrappelte, zeigte ihm das auch der Späher mit dem verfluchten Bogenschützen fertig geworden war.

Mit schnellen Handgriffen fesselte er dem bewusstlosen Barbarenkrieger, mit einer Lederschnur die dessen Felle hielt, die Hände auf den Rücken und durchsuchte ihn nach weiteren Waffen und Wertgegenständen. Er fand nichts weiter als ein paar Kupfermünzen und ein altes Jagdmesser. Erst jetzt, mit dem Abebben des Adrenalins, nahm der Legionär die starken Schmerzen in seinem linken Handgelenk und in seiner Brust wahr. Er musste vor Schmerz schwer keuchen weil er glaubte bei jedem Atemzug würde ihm der Brustkorb explodieren. Mit schmerzverzerrtem Gesicht kniete er sich hin und wartete bis der Schmerz nachließ. Das dauerte eine ganze Weile und als er wieder einiger Maßen zu Atem gekommen war, war sein Handgelenk dick angeschwollen!

Er verlor das Gleichgewicht und stolperte über die Beine seiner Gegnerin. Reflexartig hielt er sich am Speer fest, verlagerte sein Körpergewicht nach vorne und fing sich mit dem Knie ab, ehe er in den Schnee stürzte. Doch der Schwung war zu kräftig und er fiel hin. Mit einer schnellen Drehung brachte er sich außer Reichweite und sprang wieder auf die Beine. Die Barbarin lag auf dem Rücken und hielt die Mitte des Speers mit beiden Händen, der senkrecht nach oben zeigte. Die Frau war auf dem Waldboden genagelt worden. Sie hatte ihre Kurzschwerter beim Sturz verloren. Sie lagen außerhalb ihrer Reichweite. Blut floss aus ihrer Bauchwunde und sickerte ins Erdreich. Die Schmerzen schienen unerträglich und sie heulte auf vor Wut, Schmerz und Enttäuschung. Mit unglaublicher Willensstärke versuchte sie den Speer aus ihren Körper zu ziehen. Lynx trat zu ihr hin und trieb den Speer mit Gewalt noch tiefer ins Erdreich. Ein Entkommen war für die Frau nun ausgeschlossen. Er ließ die nun Gefangene liegen und wandte sich seinem Kameraden zu. Der Kampf weiter unten war entschieden. Einer lag tot auf der Erde, der andere wurde gerade vom Römer verschnürt. Lynx ging zu ihnen hin. Kurz bevor er sie erreichte, knickte Ursus ein und stöhnte auf. Auch er war nicht ohne Verletzungen geblieben.
"Geht's?", fragte er besorgt. "Wo bist du verletzt?", wollte er weiter wissen und kniete sich neben den Römer ab. Seine Beinwunde würde warten müssen.
Von weiter oben hörten sie ein lautes Wehklagen. Die Frau litt offensichtlich Qualen. Lynx konnte nicht anders und grinste den Römer frech an. "Ich hab sie mal etwas auf den Boden fixiert. Vielleicht überlebt sie ja und wir können sie ausfragen", fuhr er fort. "Für die Zenturie oder gar Kohorte wären die nicht gefährlich geworden, wahrscheinlich letzte Versprengte, aber uns hätte es fast erwischt, hä. Schaffst du's oder soll ich mir die Wunden mal ansehen?"
Der Römer winkte mit seiner gesunden Hand nur ab. Er schien nicht ernsthaft verletzt zu sein, obwohl er offensichtlich starke Schmerzen hatte. Der Suebe hätte eh nicht viel für Ursus tun können. Er hatte seine Tasche in der Hütte gelassen, um sich leichter bewegen zu können. Mit einem Kampf hatte er nicht gerechnet, so dass er nur seine Minimalausrüstung dabei hatte, einen Verband und die Heiltränke in seiner Gürteltasche. Doch in dieser Jahreszeit musste er mit seinen Tränken haushalten. Er hatte nur die Vorräte zur Verfügung, die er sich bis zum Herbst zusammengesammelt hatte. Jetzt nach Heilkräutern zu suchen wäre aussichtslos gewesen. Die Ausbeute war dieses Jahr recht zufriedenstellend gewesen, seine Beutel waren gut mit allen möglichen Sorten an Heilkräutern gefüllt. Seit Durus' Tod war der Verbrauch an Heiltränken auch nicht mehr so hoch, trotzdem verzichtete er auf einen Trank. Bei diesem Kratzer wäre es reine Verschwendung gewesen. In den Genuss der Heiltränke kamen nur ausgewählte Personen. In erster Linie braute er sie natürlich für sich und seit ein paar Jahren auch für Aquila. Selbst im Frühjahr, wenn seine Vorräte aufgebraucht waren und die neuen Kräuter noch keine Heilwirkung hatten, hielt er immer noch ein, zwei starke Tränke zur Sicherheit zurück. Seine eiserne Reserve, seinen persönlichen und letzten Schutz, den er nur noch dem Tribun zukommen lassen würde.
Die anderen Tränke erhielten im Notfall die Offiziere, Priester und Kameraden der ersten Zenturie. Einst war er sehr freimütig mit seinen Tränken umgegangen und sie an alle verteilt, die auf seiner Seite gekämpft und sie benötigt hatten. Er hatte sie auch für gutes Geld verkauft, auch an Leuten, mit denen er normalerweise nichts zu tun haben wollte. Doch verzichtete er lieber auf die zusätzlichen Einnahmen und versorgte jetzt nur noch einen ausgewählten Kreis.
Mittlerweile haben sich der Zehnten Legion noch weitere Personen angeschlossen, überwiegend Sklavinnen oder freie Händler, die sich auf das Brauen von Heiltränken verstanden. Die Truppe wurde somit gut versorgt, dass Lynx die Jagd nach Heilkräutern reduzieren konnte. Suche und Zubereitung waren langwierig und eigentlich die Arbeit von Frauen. Außerdem wurde er durch das Suchen in seiner Aufmerksamkeit für seine eigentliche Aufgabe, das Auskundschaften der Umgebung und des Feindes, zu sehr abgelenkt.
Lynx konzentrierte sich überwiegend auf die Herstellung der wirklich starken Tränke, die einen Kämpfer innerhalb kurzer Zeit wieder voll einsatzfähig machten. Die Wirkung seiner Tränke überraschte ihn immer wieder aufs Neue. Es schien ihm jedes Mal wie ein Wunder, wenn er sah, wie der Dreck aus der Wunde gewaschen wurde und sich die Wunden schlossen. Vielleicht war etwas Göttliches am Wirken, vielleicht hatten die Pflanzen auch eine Art magische Wirkung. An Letzteres wollte Lynx lieber nicht glauben und verdrängte die Möglichkeit völlig aus seinem Kopf. Sollte er mal feststellen müssen, dass die Pflanzen nur Aufgrund von Magie so wirkten, dann würde er das Brauen einstellen.
Wie genau die Heilkräuter dieser Welt wirkten, wusste der Barbar aus dem Gau Suebi Nicrenses nicht. Für ihn zählte nur das Resultat. Doch machte er sich Gedanken über die Nebenwirkungen. Dass die Tränke abscheulich schmeckten war noch das Geringste. Auch der Nachgeschmack verfolgte einen im schlimmsten Fall mehrere Tage. Das Essen danach, egal was es gab, schmeckte nicht und Wein oder Met schmeckten nach Kuhpisse. Aber das war nur ein kleiner Preis für die schnelle Genesung. Solange einem nicht nach zu häufigem Gebrauch die Haare ausgingen oder gar die Manneskraft verließ, konnte man mit den Unannehmlichkeiten noch gut leben.

Lynx nahm sein Notverband aus der Gürteltasche und zog die Hosen so weit hoch, dass er problemlos an die Wunde kam. Der frische Schnitt kreuzte die bereits verschorfte Wunde und blutete nur noch schwach. Zum Glück war der Schnitt nicht sehr tief, so dass er sogar aufs Nähen verzichten konnte. Er legte ein sauberes und zurechtgeschnittenes Stück Leinen auf den Riss und zog den Verband darüber fest. Er wusste jetzt schon, dass das nicht lange halten würde. Wunden an Oberschenkel zu verbinden war schier unmöglich, wenn man anschließend noch mehrere Meilen zu laufen hatte. Doch das musste fürs Erste genügen.

Das Jammern und Wehklagen der Bogenschützin war verstummt. Lynx schleppte sich die paar Meter zu ihr hoch und glaubte schon, nur noch eine Leiche vorzufinden. Die Frau lebte noch und sah ihn mit vorwurfsvollen Augen an. Sie versuchte etwas zu sagen, doch es kam nur noch ein Krächzen heraus. Mitleidlos sah der Barbar auf die Frau herunter. Aus der würde er nichts mehr rauskriegen. Ihre Versuche den Speer aus ihrem Körper zu ziehen waren erfolglos geblieben. Nun hatte sie keine Kraft mehr und sie spürte die Kälte in ihrem Körper. Eine Kälte, die nicht von Schnee und Eis herrührte. Es war die Kälte des nahenden Todes.
‚Hübsch isse nicht grad', schoss es dem Barbaren durch den Kopf. ‚Wie sie wohl war? Ob sie Kinder hat?', überlegte er weiter und sah sie sich genauer an. Ihr Körper war in Leder und Fell gehüllt, so dass er ihren Körperbau nur wage erahnen konnte. Er schätzte, dass sie kräftig aber eher schlank ist, ein breites Becken hat, gut zum Kinderkriegen, und durchtrainierte Arme und Beine. Ihre Wangen waren eingefallen, als ob sie in letzter Zeit nicht viel gegessen hätte. Weitere Gedanken schossen ihm durch den Kopf, die so gar nicht zu dieser Situation passten. Er überlegte, wie sie als Kind ausgesehen haben mochte und wie sie als alte Frau ausgesehen hätte. Ob einer der Kerle da unten ihr Mann war oder ob sie es mit beiden getrieben hatte.
Er griff nach seinem Speer und wollte ihn schon rausziehen, als ihm kam, dass er noch nie jemanden auf den Boden genagelt hatte, der so lange überlebt hätte. Die Situation war schon fast komisch. Er sah ihr wieder in die Augen und erkannte in ihnen den Wunsch, er möge es schnell zu Ende bringen. Mit einiger Kraftanstrengung gelang es ihm den Speer aus dem Boden und ihren Körper zu ziehen. Er brauchte vier Versuche, ehe es ihm gelang. So tief steckte die Spitze in der Erde. Bei jedem Versuch kam ein qualvolles Stöhnen über ihre blutigen Lippen. Beim letzten Versuch riss er ein Stück des Darmes heraus. Sofort quoll bei jedem Atemzug weiteres Gedärm hervor. Fasziniert schaute der Barbar zu, wie die Darmschlingen sich herauswanden. So vergaß er völlig, dass er der Frau den Gnadenstoß versetzen wollte. Als er wieder in ihr Gesicht sah, waren die Augen gebrochen. Mit einem letzten Seufzen stieß sie die Atemluft aus und lag dann still da. Die Hände rutschten von ihrem Bauch, die Beine entspannten sich und der Kopf rollte zur Seite. Er roch Urin.
An einem Stück Fell machte er seinen Speer sauber und stieg wieder zu Ursus runter. Mit einem Achselzucken gab er zu verstehen, dass es mit ihr aus war und sie aus ihr nichts mehr raus bekämen. "Wie sieht es mit dem aus?", fragte er den Römer und zeigte auf den letzten Überlebenden.
"Der ist noch bewusstlos", antwortete Ursus. Er kühlte sich seine Hand mit Schnee und stand mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. "Den nehmen wir mit zum Tribun", sagte Ursus und stieß den Barbaren mit dem Fuß an. "Allerdings wirst du ihn tragen müssen. Meine Hand ist am Arsch", fuhr er fort und hob seine dick angeschwollene Hand hoch. Mit der würde er nicht mal sein Scutum tragen können, geschweige denn einen Menschen.
Der Suebe sah auf den Barbarenkrieger nieder und schüttelte den Kopf. "Den trag ich keinen Schritt. Eher schlachte ich den ab und verzichte auf die Informationen. Was könnte der uns schon neues sagen. Gothard ist tot und dabei wird´s auch immer bleiben. Wir haben den Kopf!" Fluchend trat er dem Mann in die Seite, dem er damit ein Stöhnen entlockte. Den Mann würde er gerade mal auf die Schulter bringen aber keine fünf Schritte den Berg hoch kommen. Der würde entweder auf eigenen Füßen zum Haus laufen oder hier sterben müssen.

Lynx stieß den Bewusstlosen mehrmals mit dem Speerende in die Seite. Bei jedem Stoß stöhnte der Mann unter ihm, aber sonst regte er sich nicht. So würde er nicht weiterkommen.
"Ich kann den Mann beim besten Willen nicht tragen. Ich komme keine zehn Meter da hoch", wiederholte er seine Gedanken laut. "Entweder wir warten hier, bis er von alleine wach wird oder wir kriegen den irgendwie wieder auf die Füße. Vorschläge?" Der Römer wusste auch keine anderen Möglichkeiten. Dann sah er sich den Schnee in seiner Hand an, der bereits fast vollständig geschmolzen war, und warf die Reste seinem Gegner ins Gesicht. Lynx folgte seinem Beispiel und rieb den Barbaren kräftig mit Schnee ein. Das zeigte Wirkung. Der Barbar kam wieder zu sich, hustete und spuckte den Schnee aus. Aufgrund der schnellen Wirkung war sich Lynx nicht mehr sicher, ob sich der Barbar vielleicht doch nur bewusstlos gestellt hatte. Egal! Der Mann war wach und konnte jetzt selbst gehen.
Lynx zerrte den Barbaren an dessen Kleidern hoch. Den Schwung ausnutzend stieß der Krieger mit dem Kopf nach Lynx und verfehlte ihn nur knapp. Mit einem Schmerzensschrei stürzte er auf die Seite. Seine Kniescheibe schien zertrümmert oder zumindest angebrochen. Wut und Schmerz vermischten sich zu einem Gebrüll, dem Lynx mit einem kräftigen Tritt gegen den Kopf ein Ende bereitete. Er hatte sich gerade noch in Sicherheit bringen können, als der Koloss ihn mit dem Kopf voran angriff. Er ärgerte sich mehr über sich selbst als über den Angriff, schließlich hätte er es genauso versucht, wäre er in der gleichen Lage wie der Barbar. Seine Wut über sich selbst, über seine Unachtsamkeit, ließ er an dem Gefesselten aus und trat ihm noch mal von oben auf das verletzte Knie. Nun war er sich sicher, dass das Knie gebrochen oder gar gesplittert war. Die Schmerzensschreie nahmen nochmals zu.
Entschuldigend sah Lynx den Römer an, zuckte mit den Achseln und machte ein fragendes Gesicht. "Was nu?"
Ursus antwortete nicht sofort und sah auf den verletzten Barbaren nieder. Er sah schnell ein, dass sie wahrscheinlich eh keine Chance gehabt hätten den Barbaren zum Tribun zu bringen. Mit dem Knie wäre er nicht weit gekommen, er selbst hätte ihn nicht tragen können und Lynx hatte sich geweigert den Koloss zu schleppen. "Wie wichtig ist der Mann für Aquila?", überlegte er und ging noch mal alle Möglichkeiten durch. Nur es gab keine wirklich durchführbare. Es müsste einer hier Wache halten und der andere müsste Verstärkung holen. Doch war es dass Wert?
"Ich weiß auch nicht", antwortete er schließlich. "Die einzige Möglichkeit die ich zurzeit sehe ist, dass einer von uns hier bleibt und der andere Verstärkung holt". Ursus sah sofort, dass der Suebe damit nicht einverstanden war. Er schüttelte den Kopf und erwiderte, "warum machen wir so viel Aufhebens wegen einer Pissnelke? Viel verraten wird er uns nicht können. Schau sie dir an, wie ausgehungert die schon sind. Die haben uns beide Überfallen, in der Hoffnung Beute machen zu können. Die Reste von Gothard sind völlig hinüber und können uns nicht mehr gefährlich werden. Ich schlage vor, wir machen mit dem hier Schluss und marschieren endlich zurück". In Ursus kämpfte es noch. Vielleicht war aus dem doch noch was rauszuholen, vielleicht konnte er ihnen doch noch wichtige Informationen liefern. Aber er glaubte auch nicht wirklich dran. Schließlich schüttelte er den Kopf. Es hatte keinen Sinn sich mit dem noch weiter zu belasten.
Das war für Lynx das Zeichen auf das er gewartet hatte. Er stach dem Gefangenen mit dem Speer so schnell in die Brust, dass er nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte. Trotz seiner Schmerzen hatte er dem Gespräch einigermaßen folgen können und wusste was ihm blühte. Der Speer hatte das Herz knapp verfehlt, hinterließ aber eine große, tödliche Wunde. Sich nicht weiter um den Sterbenden kümmernd, sammelte Lynx ihre Sachen ein und nahm das Scutum auf. Ursus holte sein Gladius und wischte das Blut sorgfältig ab.
Sie machten sich auf den Weg, zurück zum Haus.

Der Barbar starb langsam und unwürdig. In ein paar Jahren würde von den Dreien nur noch die Knochen übrig bleiben und sich nur noch wenige an sie erinnern. In einem nahegelegenen Dorf wurden am heutigen Tage vier Kinder zu Waisen.


Der Tribun stolperte aus der, eigens für ihn hergerichteten, Kammer.
Die eisige Luft vertrieb die bleierne Müdigkeit ein wenig und der seltsame Glanz in seinen Augen verstärkte sich, als er die Flocken sah, welche vom Himmel fielen.
Wenn sein Magen ihn gelassen hätte, hätte er den ganzen Tag im Bett verbringen mögen.
Er breitete die Arme aus und brüllte ein kräftiges "Whooohaaaaa!" Das Echo hallte in der kleinen Schlucht lauter, als es seine Stimme allein vermocht hätte.
Grinsend stieg er die Treppe hinunter und freute sich auf ein ausgiebiges Frühstück.
Er war hungrig wie ein Wolf.

Der Senator lächelte die Sarmatin an.
"Das ist doch eine gute Auswahl zum Frühstück. Sag Hulda sie soll uns noch Tee machen und dem Tribun einen Schwarzwurzelaufguss. Und dann schnapp dir auch was zum Essen!"
Congerius nahm erstmal ein Stück Brot und etwas Wurst, und dann ging das Frühstück los!
Die Sarmatin schaute sich noch mal gründlich im Schankraum um. War auch wirklich keiner hier...? es schien tatsächlich alles leer. Nun gut. Jaleh brummte bejahend und ging hinaus.
Als sie auf dem Hof nach der Sklavin umsah entdeckte sie den Tribun vor der Tür seiner Kammer. Sie stellte sich in 'State' und begrüßte den Offizier mit der römischen Ehrenbezeugung.
"Salve Tribun!"
Sie wartete bis der Offizier an ihr vorbei gegangen war und machte sich wieder auf die Suche nach der Sklavin. Wo steckte dieses Weib nur? Nichts als ärger und nur weil der Priester da an Schlägen sparte wo sie angebracht waren.
Jaleh knurrte über diese Zeitverschwendung. Dann endlich sah sie einen Kopf hinter dem Holzstapel. Und tatsächlich hierhin hatte das unverschämte Miststück sich verzogen, anstatt ihre Arbeit zu erledigen. Erst störte sie die Kriegerin 'in ihrer freien Zeit' und dann drückte sie sich auch noch vor ihren Pflichten. Dieses faule hinterhältige Stück! Anderen mit Tricks und Mitteln die Arbeit schwer machen, aber aussehen als ob sie gleich losheulen würde. Die Sarmantin stöhnte verächtlich. Na das würde ja jetzt ein Theater geben! Also kurz und schmerzlos..er.
"Los machen auf. Geh i Køkken! Und bring Tee og de sort (o' de sort) heiße Trinken! Senator hat Durst und auch Tribun. Machen gutes Trinken nu. Ich weiß bescheid über dich, wenn mi oder die Herre werden krank, ich weiß wo du sein," ergoß sich der Redeschwall über Hulda nach dem die Sarmatin direkt vor die Sklavin getreten vor.
Als sie der Kriegerin nicht schnell genug reagierte zog sie Hulda an den Haaren hinter dem Stapel vor um sie anzutreiben.
"Hurtigere!Hurtigere!" rief die Kriegerin und trieb Hulda dabei mit ihrem Schlagstock voran in Richtung Küche. Keiner der Schläge war besonders hart oder würde längere blaue Flecken hinterlassen, aber doch fest genug um sie zu unangenehm spüren und zwar immer dann wenn die Sklavin sich umdrehen wollte oder protestierte. "Hurtigere!" und der Stock waren die stets gleichlautende Erwiderung der Kriegeirn auf das Gezeter. Endlich waren sie an der Küche angelangt. Noch einmal ermahnte sie die Sklavin "Ich dich finden, wenn jeg werden krank!" Mit einem Ruck schloß sie Jaleh die Küchentür.
Zurück im Schankraum steckte sie ihren Stock wieder weg und erstatte dem Senator Bericht.
"Herre, di Sklavin sein i Køkken. Hoffe die machen jetzt ihre Arbeit."
Die Leibwächterin seufzte leise und setzte sich auf eine der Wandbänke mit Blick Richtung Tür. Aus der Seitentasche kramte sie ihre zuvor in der Küche gebunkerte Verpflegung. Lustlos kaute sie darauf herum. Ihre Gedanken waren bei ihren Kameraden die hoffentlich bald eintreffen würden. Ein wenig Unterstützung konnte sie gut gebrauchen.
"Danke! Gibt es irgendwelche Neuigkeiten? Hast du irgendwas gesehen heute früh?", fragte der Senator interessiert, und nahm sich etwas Wasser.


Bruna´s Schwester war in der Nacht zurückgekehrt, mit mehr Fellen und ihrem Hab und Gut. Sie setze sich zu ihr an den Baum und die beiden Barbarinnen hüllten sich in einige Felle. "Ist noch etwas passiert?" Bruna sah ihre Schwester amüsiert an. "Nein Schwester, sie haben gefeiert und sind dann mit ihren Sklavinnen und Mannen in ihren Lagern verschwunden! Alarich und die anderen haben sich auch schon zurückgezogen, die beiden Tänzerinnen haben sie wohl zurückgelassen". Die beiden Frauen bedeckten sich mit Fellen und Unterholz und machten es sich für die Nacht bequem. Bruna war früh wach, schlafen konnte man das hier draußen nicht wirklich nennen. Es war kalt und hatte geschneit.
Die Leibwächterfrau des Senators war schon wach, Fußspuren gingen von der Hütte aus in den Wald, vielleicht hatte sie doch fester geschlafen als ihr lieb war.
Bruna beobachtete und weckte sachte ihre Schwester. Als dann der Senator, die Wächterin und die Sklavin in der Taverne verschwunden waren machten sich die Kriegerinnen auf ihre Bündel zu packen und in die warme Stube zu gehen.
Der Tribun kam aus einer Tür streckte sich und stieß ein Brüllen aus, das einem Barbarenkrieger alle Ehre gemacht hätte. Die beiden warteten besser noch, bis auch er in der Taverne verschwunden war.

Hulda stand vor Wut kochend in der Küche - allerdings kochte sie kein Essen. Es gärte in ihr. So ging man nicht mit ihr um! Und was diese komische Leibwächterin immer hatte mit ihrem Senator. Die musste doch verliebt sein in den Kerl, so eifersüchtig, wie sie auf ihn aufpasste.
Murus hatte Hulda dazu angehalten freundlich zu den Römern und auch zur Sarmatin zu sein. Für Murus wollte sie das auch gerne versuchen. Aber davon, dass sie sich verprügeln lassen musste, hatte Murus nichts gesagt!

Wutentbrannt kletterte sie erneut aus dem Fenster. Die geschlossene Küchentür schützte sie hierbei vor den Argusaugen der Sarmatin.

Schnell lief sie zum Quartier des Priesters, schlüpfte hinein und kauerte sich vor seinem Bett zusammen. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Murus erwachte von Huldas Gegenwart und schaute sie verschlafen und verwirrt an. Langsam, sehr langsam wurde Murus wach und blickte durch bei dem Gestammel seiner Sklavin. Schließlich verstand er endlich, dass Jaleh auf Hulda eingeprügelt hatte, als diese beim Holz holen war und Hulda mit Gewalt in die Küche getrieben hatte. Seufzend erhob sich Murus. Nichts als Ärger mit der neuen Sklavin. Wenn er für sie nicht so viel Geld bezahlt hätte und nicht noch Hoffnung hätte, dass Hulda sich vielleicht doch noch bessert. Er erhob sich und schlurfte mit einer verängstigten Hulda im Schlepptau zur Gaststube.
Hulda schlüpfte gleich wieder in die Küche um Jalehs Gegenwart zu entgehen.
Murus hingegen ging mit einem Morgengruß zu Senator und Tribun. Murus setzte sich zum Senator und seufzte. Dann setzte er zum Reden an: "Congerius, es gibt da einen Zwist zwischen meiner Sklavin und Deiner Leibwächterin. Jaleh hat Hulda gerade in die Küche geprügelt, dass sie dort die Küchenarbeit versieht. Das kann ich nicht gut heißen! Ich habe Hulda gekauft, weil sie kräuterkundig ist und mich mit Kräutern beraten und unterstützen soll. Außerdem ist sie meine persönliche Sklavin und nicht das allgemeine Küchenmädchen, ich bin der, der ihr die Befehle gibt. Sie sollte Dich, den Tribun und mich bedienen, auf andere muss sie nicht hören. Bitte sorge dafür, dass Deine Leibwächterin Hulda in Ruhe lässt. Hulda hat keinen Grund, Dir irgendwas zu tun. Auch wenn sie manchmal etwas einfältig ist, so ist sie nicht ganz dumm. Bitte sorge also Du für Ruhe."

Der Senator begrüßte Murus als er sich setzte. Als Murus dann mit seiner Bitte geendet hatte schaute Congerius ihn erstaunt an. "Einen Zwist? Nun ich hab mitbekommen, dass sie vorgestern Ärger bekommen hat, aber sie hatte Jaleh beleidigt und sie als Nichtrömerin kann vielleicht am ehesten verstehen was das heißt, wenn sie eine Sarmatin beleidigt. Aber ist weiterhin noch etwas vorgefallen?" meinte Congerius fragend. "Jaleh!" meinte der Senator und richtete sein Wort an die Sarmatin, "Capricornus meinte du hättest Hulda zur Küchenarbeit geprügelt. Welchen Grund hattest du dazu?" Man hörte keinen Ärger in der Stimme des Senators, er wollte wissen was vorgefallen ist, um am Ende ein gerechtes Urteil fällen zu können.
Die Sarmatin seufzte und rollte mit ihren Augen. Was für ein Kinderkram war das nun wieder? fragte sie sich.
Wollte sie dieses Theater wirklich breittreten? Wie beschämend war das nur, aber da sich die Sklavin wie ein Kind aufführte und die Angelegenheit nicht wie unter Erwachsenen mit einem Faust oder Schwertkampf erledigt werden konnte gab es kaum einen anderen Ausweg. Jaleh empfand das Ganze als extrem erniedriigend. Lieber einer ganzen Legion in den Weg stellen als sich eine derartige Blöße geben.

"Herre?" fragte die Kriegerin erst, aber besann sich dann, denn dies war ja nunmal ihre Aufgabe . Sie hätte das ganze schon viel früher melden müssen, dann wäre das auch nicht so eskaliert. Schuldbewußt antwortete Jaleh: "Slaven idled på brændestablen. Og jeg gav hende en advarsel." (Släven i'led po bränestäblen. O' jei gäv henle en alvarsel)." Dann bemerkte Jaleh dass keiner der Römer sie verstand und versuchte es nochmal.
"Senator wollen Tee. Slave faul und langsam. Also Stock für schneller. Slave sein ganz, keine Arme og Beine eller Gesicht kaputt. Und für Warnung, damit nicht vergessen. Soll sein froh das lebt. Ich war sehr gut zu Slave weil wissen Priester elsker dem. Aber nochmal und Hulda geht Tod, hier kein Spiel für barne oder SKlaven mit kleine Nuss im Kopf. "
Die letzten Sätze sprach sie an Murus und um ihre Aussage zu bekräftigen fuhr die Sarmatin mit ihrem Messer symbolisch an der Kehle entlang. Dann stach sie sich mit der Spitze in den Mittelfinger und schmierte ihr Blut an die Klinge des Messers und leckte die Klinge sofort wieder sauber, damit sie das Messer zurück in ihren Gürtel stecken konnte.
"Undskyld (unsküll), Herre, machen schneller Warnung an dig (dei), bald. Det er min skyld (sküll)."
Jetzt war es an Congerius die Augen zu verdrehen. "Murus, wenn ich das so höre, dann hab ich keinen Grund Jalehs Aussage zu misstrauen und du musst zugeben, dass deine Sklavin sich in den letzten Tagen nicht durch ihren Gehorsam dir gegenüber und auch nicht durch ihre Ehrerbietung gegenüber dem Tribun und mir hervorgetan hat. Ich denke wir vergessen das Ganze am Besten, oder möchtest du eine Sachbeschädigungsklage gegen mich einreichen?" den letzten Satz sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen.
"Die Beweisführung könnte ein witziges und erheiterndes Unterfangen werden, wenn Hulda nicht durch ihre spitze Zunge den Zorn des Gerichts auf sich herabruft. Ich mache dir einen Vorschlag, ich vergesse ihre spitzen Kommentare gegenüber meiner Leibwache und mir und du machst ihr klar, dass sie mit Wehklagen und Jammern, nicht weiterkommt sondern lieber ihre Zunge hüten soll? Ja?" er sagte dies in einem versöhnlichen Ton.
An Jaleh gewandt meinte er: "Ich weiß, dass den Sarmaten die Ehre sehr viel bedeutet. Ehre ist auch ein wichtiges Gut bei uns Römern, doch eine Ehrkränkung kann nur sehr selten vor Gericht eingefordert werden. Ich verstehe deinen Groll gegenüber der Sklavin und da sie wie du meintest ja keine Verletzungen von den Prügeln davonzog" er wandte das wort langsam von Jaleh wieder an Murus "ist auch das Verhalten Jalehs laut unseren Gesetzen nur schwer einklagbar. Das solltest du wissen Murus. Mir scheint es, als ob Hulda dir gegenüber die Handlung Jalehs stark übertrieben hat. Ich möchte es aber dabei dann gern belassen. Ja?"


Der Legionär und der Suebe kamen gut voran und marschierten mit weitausholenden Schritten der Hütte entgegen. Lynx hatte ein scharfes Tempo vorgelegt, in der Hoffnung den Römer konditionell in die Knie zu zwingen. Er liebte so kleine Spielchen, um immer wieder sein Ego aufzubauen. Doch diesmal hatte er sich gehörig verkalkuliert. Den ersten Hang hinauf hatte er noch das Scutum des Römers getragen, der durch seine geprellte Hand behindert wurde. Doch auf der Höhe verlangte Ursus seinen Schild zurück und trug ihn, als ob er federleicht wäre. Der Legionär hielt Schritt und schien nicht ermüden zu wollen. Aus dem Marsch wurde ein Wettstreit, wer zuerst nach einer Pause verlangen würde. Keiner gab nach und wollte sich eine Blöße geben. Anfangs hatte der Barbar Ursus in ein Gespräch verwickelt, um ihm den Atem zu nehmen, doch musste er sich schnell eingestehen, dass er auch dadurch keinen Vorteil erringen konnte. Schließlich ließ er es sein und konzentrierte sich auf den Weg und die Umgebung, was ihm als Entschuldigung für sein jetziges Schweigen sehr dienlich war.
Innerlich verfluchte sich Lynx für seine Angeberei. Jetzt musste er die Zähne zusammen beißen und durch. Gegen jeden anderen, abgesehen vielleicht von Velox, hätte er Erfolg gehabt. Doch nicht bei Ursus. Der Mann war nicht nur stark wie ein Bär, sondern auch so ausdauernd. Jedes lautere Knacken oder Rascheln nutzte Lynx für eine kurze Pause und lauschte offenkundig nach dem Geräusch. Nach drei, vier tiefen Atemzügen gab er Entwarnung und marschierte weiter. Die Pausen kam auch dem Römer sehr gelegen, doch ließ er sich nichts anmerken und wartete nur geduldig, bis der Späher weiter ging.

Nach einer guten halben Stunde machte sich Lynx\u2019 Bauch bemerkbar. Er musste dringend etwas essen, bevor ihm noch schwarz vor Augen wurde. Die Ränder in seinem Sichtfeld verdunkelten sich bereits und immer häufiger sah er helle Punkte, die wie Glühwürmchen vor ihm hertanzten. Schließlich blieb er stehen, drängte die beginnende Schwärze zurück und lehnte sich an einen Baumstamm. "Hast du zufällig was zu Essen dabei?", fragte er hoffnungsvoll den Legionären. "Mich verlassen gerade meine Kräfte und mir wird schwarz vor Augen", musste er leidvoll zugeben. Den Wettstreit musste er sich verloren geben. Vielleicht hätte er es bis zu ihrem Ziel noch geschafft, doch wäre er für den Rest des Tages ausgefallen. Auch Ursus tat die Pause gut und um seinem Kameraden nicht zu beschämen, schnaufte er nun ebenfalls ein paar Mal durch. Aus seiner Tasche kramte er ein Stück trockenes Fleisch und einen Kanten Käse hervor und reichte es dem Barbaren. Heißhungrig schlang der Barbar das Essen hinunter und setzte sich auf einen umgestürzten Baum. "Ganz kurz nur. Ich muss wieder zu Kräften kommen", entschuldigte er sich. "Ich bin ohne Frühstück los und wenn ich Hunger kriege, wird´s mir schwindlig und schwarz vor Augen", gestand er ein. In solchen Fällen bekam er immer einen Heißhunger auf etwas Süßes. In einer Siedlung hätte er nun sein ganzes Geld für Süßigkeiten ausgegeben. Aber auch das Fleisch und der Käse zeigten Wirkung. Schneller als erwartet kehrten seine Kräfte zurück. Er nickte dem Römer dankbar zu. "Du hast was gut bei mir". Mit diesen Worten stand er wieder auf, rückte seinen Gürtel zurecht und marschierte weiter. Das Tempo, das er nun anschlug, war zwar nicht mehr so Kräfte raubend aber immer noch verhältnismäßig flott.
Ohne weitere Zwischenfälle erreichten sie das Haus, in dem die anderen gerade ein ausgiebiges Frühstück einnahmen. Ohne Umschweife führte Lynx Ursus in die Stube. Er öffnete schwungvoll die Haustüre und ließ dem Legionär den Vortritt. Die Stube war bereits gut gewärmt. "Tribun, Legionär Ursus ist hier", gab Lynx überflüssigerweise bekannt. Ursus stand wie ein aus Fleisch und Eisen gewordener Berg in der Mitte des Raumes und grüßte zackig die anwesenden Römer.
Während dessen verzog sich der Barbar in die Küche, in der Hoffnung etwas zu beißen zu bekommen. "Guten Morgen Hulda", grüßte er freundlich die neue Sklavin von Murus. Er stellte sich in der Regel immer gut mit Sklaven, vor allem mit solchen, die gut kochen können. Bei ihm zu Hause waren Sklaven nicht viel Wert. Sie waren nur dazu da, um ihren Herren die Felder zu bestellen oder von den Ernten ihrer eigenen Felder Abgaben zu entrichten. Nur selten lebten Sklaven im Haushalt ihrer Herren. Zumeist bewohnten sie eine eigene Hütte und lebten ihr Leben.
Wie erwartet, grüßte Hulda freundlich zurück, auch wenn sie etwas zu bedrücken schien, und reichte dem Barbaren eine Schale Brei. Lynx wusste um die Streitigkeiten zwischen der Sklavin und der Sarmatin, doch hielt er sich bei solchen Angelegenheiten für gewöhnlich raus. Sollten die das unter sich regeln. Hauptsache, er hat seine Ruhe.
"Ich bräuchte noch eine Schale für Legionär Ursus", bat er Hulda und nach dem er noch eine zweite Schale erhalten hatte, betrat er wieder die Stube. Ursus erstattete gerade dem Tribun und dem Senator Bericht, so dass sich der Barbar mit den beiden Schalen erst mal an einen freien Tisch setzte und über seinen Brei herfiel.

Todmüde aber gut gelaunt, gesellte sich der Tribun zu Congerius. Er verschmähte den morgendlichen Brei und verlangte nach Fleisch, Brot, Käse und Oliven. Schmerzlich vermisste er das belebende Schwarzwurzelgetränk, welches ihm der Legionär Seneca immer zubereitete und nahm stattdessen mit dem Aufgussgetränk des Senators vorliebe.
Nur mit halbem Ohr verfolgte er die Diskussion zwischen Murus und Congerius, sowie die Zurechtweisung der Sklavin und Sarmatin gleichermaßen.
Er widerstand dem Drang den Senator zu warnen. Er würde ihm später, ohne seine Untergebenen, einen Ratschlag erteilen: Das Einzige, was bei einem Sarmaten stärker war, als seine Treue und Pflichtbewusstsein, war sein Stolz. Den durfte man nur vorsichtig verletzten und auch nur dann, wenn es unbedingt notwendig war. Zum Beispiel um zu demonstrieren, wer die Herren der Welt waren.
Aber dafür war nachher noch Zeit, jetzt würde der Senator etwas von seinem Gesicht verlieren.
Während er herzhaft in das noch warme Brot biss, ging die Türe auf und ein Legionär betrat den Raum, von Lynx gefolgt. "Tribun, Legionär Ursus ist hier", meldete der Suebe. Dankend nickte der Tribun dem Germanen zu und nahm dann den korrekten Gruß des Legionärs entgegen. "Setz dich Legionär Fabius Ursus! Ich will einen genauen Bericht!", sagte der Tribun. Er war stolz drauf, beinahe jeden seiner Soldaten mit Namen ansprechen zu können.

Diese Römer kamen von überall her....
Bruna und Undis warteten noch etwas im Wald ab und beobachteten weiter. Sie waren durchgefrohren und wollten endlich in die warme Stube, doch Vorsicht war geboten, ehe sie sich versahen hatten sie von den Neuankömmlingen noch Waffen im Leib, man konnte nie wissen. Es schien ruhig zu sein und die beiden Frauen machten sich auf den Weg zur Hütte, wie am Abend zuvor klopften sie laut an die Tavernentür und traten sogleich ein.
Da saßen und standen sie, ihre neuen Wegbegleiter. Ein lautes "Morgen!" brachte Bruna noch hervor bevor sie ihr Bündel in die Ecke warf und sich einen Platz am anderen Tisch suchte. Hinter ihnen kam die rothaarige Tänzerin in den Raum und verschwand auch gleich in der Küche.

Jaleh stand auf ihrem Posten und gab den Anschein als ob das was der Priester und der Senator dort redeten sie weder etwas anging noch interessierte. Stattdessen beobachtete sie besser die neuen Gäste der in der Gaststube.

Der Legionär war groß und kräftig wie ein Bär - natürlich Ursus! Ja der Name machte Sinn. Er schien keine unmittelbare Bedrohung, am Eingang aber kamen zwei der einheimischen Barbarinnen herein. Ja, pfiffig genug waren sie um sich deutlich anzukündigen.

Der Kriegerinnen Aufmerksamkeit kehrte langsam wieder zum Senator zurück. Er redete von sarmatisk Ære? Jaleh seufzte. Hätte sie nach den sarmatischen Ehrenregeln handeln dürfen wäre diese Diskussion jetzt überflüssig. Aber das römische Gesetz war einfach zu verschieden als das die Sarmatin sich sicher sein konnte was sie tun durfte und was nicht. Man hatte den Sarmaten nach dem Grenzübertritt ja sehr deutlich gezeigt was mit ihnen geschieht wenn sie diese Regeln nicht beachteten und sie hatten den Eid darauf geschworen. Nun gebot dieselbe Ehre, die sie den Eid nicht brechen ließ, dass sie ihre Ehre und ihren Stolz nicht wie gewohnt handhaben durften.
Und dann war da ja auch noch die Sache mit den Kräutern.... aber dazu hatte Jaleh ihren Entschluss schon gefasst. Sie musste handeln.

Hatte man in dieser verdammten Küche denn gar keine Ruhe?
Hulda hatte versucht das Gespräch von Murus mit Congerius zu belauschen, wurde allerdings von dem großen Barbaren mit dem Fell gestört, der für die Römer arbeitete.
Den Namen hatte sie sich zu ihrem Leidwesen nicht gemerkt, aber immerhin war er bisher sehr nett zu ihr und nun bat er sie um Brei. Immerhin befahl er es ihr nicht. Das war doch schon ein Anfang.Na ja, immerhin war er ja auch kein Römer. Man konnte also hier mit einem Mindestmaß an Anstand rechnen, auch wenn er ganz wo anders her stammte als Hulda.
Hulda gab ihm also die gewünschte Schüssel Brei und auch die für seinen Kameraden um die er ebenfalls bat und lächelte ihn schüchtern an.

Dann war sie kurz allein in der Küche.
Das Gespräch war inzwischen beendet.Seufzend wandte sie sich wieder den spärlichen Vorräten zu.Die letzten Reste Fleisch hatte jemand in ihrer Abwesenheit aus der Kühlkammer stibitzt und die Getreide und Obstreste hatte sie zum Kochen des Breis verwendet.Das gab bestimmt gleich wieder Ärger, wenn sie nichts auftischen konnte.

Also trübe vor sich hinstarrend stand Hulda nun in der Küche, als die Küchentür erneut aufging.Eine der Tänzerinnen von gestern kam herein.Fragend sah Hulda sie an.Bevor es jedoch zu einem Wortwechsel, welcher Art auch immer kommen konnte, ging die Tür erneut auf und Murus trat in die Küche.
Zielstrebig ging er auf seine Sklavin zu, lächelte sie jedoch freundlich dabei an."Ich hatte gerade ein Gespräch mit dem Senator. Mir scheint, Du reagierst etwas zu zimperlich. Du musst Dich nicht wundern, wenn Du zur Arbeit angetrieben wirst, wenn Du zu langsam bist.Allerdings sollte so etwas jetzt nicht mehr vorkommen."
Er machte eine Pause und musterte Hulda eindringlich, dann fuhr er fort: "Hüte ab jetzt Deine Zunge. Du hast ja jetzt mehrfach gemerkt, dass Du Dir damit nur Schwierigkeiten einhandelst.Ansonsten bist Du zu meinen Diensten und kommst auch den Befehlen vom Tribun und dem Senator nach.Sollte jemand anderes versuchen, Dir Befehle zu erteilen, dann komm zu mir und versuche nicht wieder, es auf Deine Art zu verweigern."
Er lächelte Hulda aufmunternd an, die schon wieder ein ziemlich verkniffenes Gesicht machte.
"Bring mir jetzt bitte auch eine Schüssel Brei mit Früchten.Falls Du dieses schwarze Bohnenkraut für den Aufguss findest, wäre es toll, wenn Du davon auch noch einen machen könntest und mach doch noch so einen Aufguß für den Senator, den er immer trinkt."Mit diesen Worten verließ Murus die Küche und überließ Hulda der Arbeit, die sie jetzt hoffentlich erledigte.

Murus verließ die Küche und sie war mit Hulda alleine.
Ein Lächeln umspielte die Lippen der Tänzerin, sie zog eine Augenbraue hoch und wand sich an Hulda," ich kann Dir helfen wenn Du möchtest!"
Hulda blickte die Tänzerin erstaunt an.
"Wie willst Du mir schon helfen können? Du bist genau so wie ich Eigentum von den Römern. Hast Du das noch nicht begriffen?" fragte die die Tänzerin verdaddert.
" Natürlich bin ich und weiss ich das, Liebe Hulda! Sei froh drum, dass Du hier bist und nicht in irgendeiner Höhle" sie sprach sanft und ruhig, " wir sollten es uns so angenhem wie möglich gestalten, ich helfe Dir in der Küche und wenn Du möchtest unterrichte ich Dich wenn wir Zeit finden, Dein Herr wird sich freuen! "
"Was verlangst Du dafür?" fragte Hulda lauernd.
Seit ihrer Zeit als Sklavin war ihr noch nie Gutes angediehen, für das sie nicht teuer bezahlen hatte müssen.
"Nur, dass Du eine gute Schülerin bist, Hulda!" sie lächelte noch immer, ihre Augen glänzten als sie sich umdrehte und zum Wasser griff. " Komm, an die Arbeit, wir wollen die Herren doch nicht warten lassen!" Hulda sah die Tänzerin skeptisch an. Trotzdem willigte sie ein: "Ja, lehre mir das Tanzen, Murus wird es freuen. Ich versuche, eine gute Schülerin zu werden. Allerdings glaube ich nicht, dass viel Zeit zum Üben sein wird. Und wenn sie uns dabei erwischen, gibts sicher wieder Ärger." Dann wandte sich Hulda den Regalen zu um nach den Aufgussgetränken für Tribun uns Senator zu suchen und wurde auch fündig. Zusammen mit der Tänzerin kochte sie schließlich Kaffee und Tee. Dabei fragte sie die Tänzerin: "Hast Du auch einen Namen?"

Nachdem der Priester nun gegangen war wandte sich Jaleh an den Senator. Sie hackte sie neben seinen Sitz so dass sie nicht von oben heruntersprach, sondern aufsehen musste.
"Herre, domine. Ich muss reden med (mel) dir og (o') allein. Wenn du hast Zeit, mir geben Zeichen venligst, bitte?" die Kriegerin klang als ob ihr diese Angelegenheit wirklich wichtig war.
Etwas überrascht von Jaleh angesprochen zu werden, er hatte sich gerade erst an seinen Schatten gewöhnt, blickte der Senator sich freundlich an und meinte: "Bitte sprich, ich habe Zeit!" Anscheinend hatte der Senator Jaleh nicht richtig bzw vollständig verstanden.
"Tak! Aber wichtig erstmal reden allein, wenn einverstanden? Gehen aus Taverne, dann ich kann besser reden wenn nicht alle Ohren hören hierher. Ist Umstand und ich entschuldigen aber ich denken schon wichtig, venlig." Diesmal hatte sich Jaleh wirklich Mühe gegeben das der Römer auch wirklich alles verstand was sie sagte.
"Ja natürlich, kein Problem!" der Senator stand auf und schickte sich an die Taverne zu verlassen, er nickte dem Tribun zu. "Bis später!"
Draußen etwas abseits der Taverne versicherte sich Jaleh das keiner ihnen gefolgt war und schaute sogar beim Gebüsch das dort wuchs ud erst als sie mit dem Ergebnis zufrieden war wandte sich sich an den Senator.
Die Kriegerin sprach ruhig aber mit ernster und bedrückter Miene, der Gesichtsausdrucks des Senators wandelte sich von überrascht bis nachdenklich. Das Gespräch ging hin und her dann lächelte der Sentor und die Sarmatin musste laut los lachen.

In deutlich besserer Laune betrat die Sarmatin vor dem Senator den Schankraum als erste und hielt ihm die Tür auf dann folgte sie ihm zu seinem Sitzplatz.
Congerius folgte, sein Gesicht war deutlich ernster wie das der Sarmatin, er ging zu Murus und meinte ernst: "Murus ich muss dringend mit dir reden, evtl. sollte Aquila dabei sein. Es geht um Hulda." bevor Murus erwiedern konnte meinte der Senator noch:
"Es ist mir Ernst und könnte auch deine Sicherheit betreffen, glaub mir mein Freund, ich möchte keinen Streit oder Zwist, aber das Wohl der Legion und aller Römer hier liegt mit am Herzen!" Der Senator hatte einen sehr ernsten und besorgten Gesichtsausdruck.


Nachdem der Tribun Ursus´ Bericht zu Ende gehört hatte, musste er schmunzeln.
Der Legionär hatte seine eigene zackige Art und würzte seine Meldungen meist mit seinem unnachahmlichen, derben Soldatenhumor.
Aquila erinnerte sich noch lebhaft an die Begegnung mit dem Katzenwesen und Ursus\u2019 anschließender Vollzugsmeldung, welche dem gesamten Offizierskorps der Zehnten Legion vor Lachen die Tränen in die Augen getrieben hatte.
Selbst der eisenharte, stets grimmige Primus Pilus der XIII. Legion hatte sich ein Grinsen nicht verkneifen können.
Zufrieden hatte der Tribun vernommen, dass Lynx und Ursus den Überfall gut überstanden und der Ehre der Legion genüge getan hatten.
"Lass das nach dem Essen vom Medicus behandeln!" befahl der Tribun mit Hinweis auf das Handgelenk des Soldaten. Kurz hefteten sich seine Augen auf die Schwestern Alarichs. Diese waren sicherlich genauso wild und stolz wie ihr Bruder. Mit ihnen würde er sich später beschäftigen. Seine Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Congerius und seine Leibwächterin, deren Diskussion er mit halbem Ohr verfolgt hatte.
Wie immer hatte er das Gefühl, Congerius könne seine Gedanken lesen, also verwarf er den Vorsatz ihn vor der sarmatischen Ehre zu warnen. Das hatte der Senator wie immer schon selbst erledigt. Als er sah wie die rothaarige Tänzerin, flink wie eine Katze in die Küche huschte, breitete sich ein feines Lächeln über sein Gesicht aus.

Die beiden Sklavinnen sahen sich zunächst zögernd an. Aber der befehlsgewohnten Stimme und dem sicheren Auftreten des schneidigen Legionärs wagten sie keinen Widerstand zu leisten. Da weder der Tribun, noch der Primus Pilus anwesend waren, hatte der junge Soldat Glück. Die besten Stücke waren zwar schon an die anderen Centurionen gegangen, aber sie würden ihm dennoch eine Schale mit gutem Bratenfleisch und Rippen bringen können. Wer weiß, vielleicht zeigte er sich später auch dankbar.

Murus meinte zum Senator "Worum gehts denn? Also suchen wir den Tribun."
Misstrauisch verfolgte Hulda das Geschehen am Hof. Die Leibwächterin des Senators stierte in den Büschen herum und tuschelte anschließend mit ihrem Herren.
Was waren das denn für komische Spielchen? Diese Römer hatten seltsame Umgangsformen, die Hulda einfach nicht verstand. Gehörte das zu einem Werbungsritual? Und warum lachten die beiden zum Schluss.
Hulda beschloss, sich nicht weiter darum zu kümmern und die gewünschten Aufgüsse fertig zu kochen und den Brei für Murus herzurichten.
Als sie damit fertig war und mit einem Tablett gerade die Küche verlassen wollte, hörte sie gerade noch, wie der Senator etwas vom Wohl der Legion und aller Römer zu Murus sagte. Darauf hin stand Murus auf und sagte etwas vom Tribun.
Hulda hatte keine Ahnung, was das jetzt wieder werden sollte, ärgerte sich allerdings, dass man ihren Murus noch nicht einmal in Ruhe frühstücken ließ.
Sie steuerte mit dem Tablett auf den Tisch zu.
"Das möcht ich gern unter 6 Augen mit dir und dem Tribun besprechen." Zusammen mit Murus ging Congerius zum Tribun. "Ave Aquila, ich müsste mit euch beiden" deutete dabei auf Murus und den Tribun "reden!" Er schaute sich um sah Hulda, Jaleh und den Rest der Leute im Raum stehen und meinte noch ergänzend, "unter 6 Augen!"

Hulda stellte schwungvoll Ihr Tablett mit den Aufgüssen auf dem Tisch ab, jedoch ohne etwas zu verschütten. Dann stellte sie die Schale mit Brei auf Murus´ Platz und kehrte zurück in die Küche, jedoch nicht ohne einen argwöhnischen Blick in Richtung Murus, Tribun und Senator geworfen zu haben. In der Küche erwartete sie die Tänzerin.

Jaleh war mit der Forderung des Senators zwar nicht wirklich einverstanden, aber solche Dinge waren eben die kleinen Herrausforderungen des Lebens mit denen sie sich jetzt herumschlagen musste. "Domine, sollen Taverne machen frei für reden oder du gehen alle in kleine Raum nebenan?" Jaleh deutete auf eine der Türen im Schankraum. "Dann kann machen sicher kein anderes ses ", die Sarmatin überlegte kurz angestrengt auf der Suche nach dem korrekten Wort," ähm gucken oder hören was reden."
"Nein der Nebenraum ist glaub ich sinnvoller!"
Im Nebenraum fragte Murus: "Was gibt es wichtiges Senator?"
Auch wenn Jaleh nicht begeistert war erklärte ihr der Senator, dass sie vor der Tür warten soll.

Als alle im Raum waren, meinte Congerius:
"Setzt euch!"

dann meinte er:

"Aquila, Murus, wir haben ein Problem. Es geht um Hulda. Bevor du etwas sagst, Murus, lass mich ausreden.
Ich weiß, dass dir sehr viel an deiner Sklavin liegt, aber ich muss dich fragen ob es sein kann, dass sie sich nur benützt. Aber fangen wir von vorne an.

Hulda an Jaleh, ich glaube es war vorgestern, vergiftet!"
Er machte ein kurze Pause um dieses Wort setzen zu lassen.

"Das ist keine Aussage von Jaleh, sie hat mich nur wieder daran erinnert, der Zeuge der Hulda gesehen hat wie sie den Wein von Jaleh, den sie ihr dann selbst gebracht hat, vergiftet hat ist Lynx. Und damit über jeden Zweifel erhaben, Lynx hat mir selbst dies berichtet, ich hab es allerdings damals im Trubel vergessen und hätte mich wohl nicht mehr erinnert. Ein Giftanschlag auf Jaleh, meine Leibwächterin und eine Auxiliarin der Cohorte Bosperanos, ist ein Anschlag auf mich, den Tribun und unseren Princpes persönlich!
Ich nehme nicht an, dass dieser Angriff von dir genehmigt oder in Auftrag gegen war, auch wenn ein Gericht dich belangen würde und eigentlich du angeklagt werden müsstest, Murus. Doch wie gesagt ich bin mir sicher, dass du dies niemals gutgeheißen hättest und deshalb bin ich auch bereit für dich als Leumund und Entlastungszeuge aufzutreten!
Nun gilt es den Grund für diesen Angriff zu finden, war es einfach nur eine trotzige Reaktion, und sie war sich deren Konsquenzen nicht klar? Aber für so blöd halte ich sie nicht!
Oder war es ein geplanter Angriff und sie ist dir zugespielt worden und spielt nur die Liebe zu dir um dich zu diskreditieren oder mich und den Tribun aus dem Weg zu schaffen. Vielleicht steckt das Gremium dahinter und hat die zweite Frau nach Sempronia auf uns gehetzt?" Er macht wieder eine kurze Pause. "Murus, du solltest uns sagen wo du sie gekauft hast und dann sollten wir gemeinsam beraten was zu tun ist. Murus, amice, ich möchte aber nicht vergessen, dass du in den letzten Jahren ein Freund geworden bist, ich werde diese Sache erstmal nicht zur Anklage bringen, es sei denn wir kommen zu der Ansicht, dass Hulda gefährlich ist! Ach ja, sollte demnächst irgendjemand von uns hier vergiftet werden, bin ich mir sicher, dass Jaleh reagieren wird. Und zwar mit voller Härte! Das nur zur Warnung!"

Aquila kratzte sich am Kopf. Murus war Zivilist, folglich auch sein Eigentum. Also unterstand er nicht der Militärgerichtsbarkeit und war damit außer Reichweite des Tribuns. "Seid ihr denn sicher, dass es sich um Gift gehandelt hat? Vielleicht war es ein Aphrodisiakum oder irgendetwas um Jaleh, wie soll ich sagen, umgänglicher zu machen?" Nach der vergangenen Nacht, war sich der Tribun sicher, dass Hulda zumindest ihm ein solches in den Wein geschüttet hatte.
"Wie würdest du ein Mittel beschreiben, dass den Körper dazu veranlasst seine Nahrung stark beschleunigt von sich zu geben? Es war nicht tödlich, das war wohl auch nicht die Absicht, sonst würden wir auch nicht mehr hier reden, oder?" fragte der Senator.
"Nun, ich würde es ein Abfühmittel nennen. Das gewinnt das Volk deiner Mutter seit Tausend Jahren aus irgendwelchen Samen. Wie heißt es noch gleich? Ricinus?"
Eigentlich hätte der Tribun über Congerius' Mißtrauen schmunzeln können, dennoch war er wachsam. Wenn der Senator so reagierte, war Vorsicht geboten!
"Aquila, was würdest mit einem Sklaven tun, der dir absichtlich und ohne deinen Wunsch, nur mit der Absicht dir zu schaden ein Abführmittel in deinen Wein mischt?"
"Ich würde ihm eine Tracht Prügel verabreichen und es dabei bewenden lassen." Er sah Congerius mit hochgezogener Augenbraue an. "Wenn ich aber Zweifel an seiner Treue hätte, würde ich ihn kurzerhand kreuzigen lassen. Ein Sklave ohne Loyalität ist nichts wert!"
"Genauso ist es, Zweifel an der Treue! Murus, es ist an dir zu sagen wie du die Sache siehst!"
"Das sind schwere Anschuldigungen, Congerius. Ich muss ehrlich zugeben Hulda ist mir ans Herz gewachsen, auch wenn ich sie erst vor kurzem gekauft habe. Der Grund für den Kauf war, dass sie as kräuterkundige einheimische mir dabei helfen sollte die hiesigen Heilpflanzen kennen zu lernen um die medizinische Versorgung der Legion zu verbesern. Aber ein Anschlag auf deine Leibwächterin wäre ein schwer wieder gut zu machender Anschlag auch auf deine Sicherheit.
Lynx hat wirklich zu dir gesagt, dass er Hulda dabei beobachtet hat, wie sie Jaleh ein Gift oder was auch immer in den Krug geschüttet hat? Ich würde es gerne noch einmal aus seinem Mund hören, bevor ich mich entscheide. Auch würde mich interessieren, was genau es für ein Gift war. Mir ist nicht wirklich aufgefallen, dass es Jaleh gestern abend schlecht ging.
Außerdem, da sie nicht nur Hulda sondern auch den anderen Barbaren mit dem Messer an die Kehle gegangen ist, kann ich mir auch andere Täter vorstellen. Sollte sie mich auch mal mit dem Messer bedrohen werde ich darauf bestehen, dass sie ausgepeitscht wird. Die Barbaren haben sie woh nur deshalb nicht angegriffen um die laufenden Friedensverhandlungen nicht zu gefährden. Vielleicht solltest du darüber mal mit ihr reden."
"Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut von Lynx erinnern, wir sollten ihn fragen. Dass Jaleh vergiftet wurde steht für mich aber außer Frage und da Hulda die Sarmatin beleidigt hat, und deshalb Konsequenzen hatte, wenn diese auch nicht wirklich schwerwiegend waren, kann ich mir gut vorstellen, dass Hulda die Vergiftung verursacht hat.
Und du hast gerade gesagt Hulda kennt sich mit den Pflanzen hier aus! Die Art des Giftes war wohl wie Aquila schon meinte ein Abführmittel.
Wann ist Jaleh gestern Barbaren mit dem Messer an die Kehle gegangen? Ich wüsste nur die Stellen an denen sie um meine Sicherheit besorgt war und da versteh ich es. Sollte sie einen römischen Bürger ohne Grund bedrohen, wird das Konsequenzen haben, keine Sorge, aber das ist nicht das Thema!" Congerius war etwas gereizt, denn Jaleh war nicht nur von ihm sondern auch von der Nyame persönlich als Leibwache geschätzt. Eine Bemerkung wie die gerade eben, die die Arbeitsweise Jalehs betraf, war aus seiner Sicht nur der Versuch mit Unzulänglichkeiten anderer, die nicht Mal exisitieren mussten, zu versuchen die eigentlichen Probleme runterzureden. Andererseits versuchte Murus nur sein Eigentum und seine Rechte zu verteidigen, evtl. würde Congerius genauso handeln. "Lass uns Lynx fragen!" Congerius ging zur Tür öffnete sie und meinte zu Jaleh die davorstand. "Sagst du zu Lynx, dass er bitte zu uns kommen soll?" Er schloss die Tür wieder und ging zu Murus und Aquila zurück.
"Ja, domine." Jaleh verbeugte sich leicht vor dem Senator und schaute zu dem Sueben hinüber. Die Kriegerin legte ihren Kopf schief, dann grinste sie in Erinnerung an den gestrigen Kampf. Sie ging hinüber und setzte sich neben Lynx allerdings so, dass sie die Tür zum Nebenraum noch im Auge behalten konnte. Sie wartete bis der Mann von seinem Essen aufschaute und sie anguckte. Erst dann sprach sie. "Senator Congerius schicken nach dir. Tribun, Senator og Priester sein in Nebenraum." Die Sarmatin deutete auf dir Tür. "Wollen alle mel dir reden, denken ich."
"Der Senator schickt nach mir?", fragte der Barbar mit hochgezogenen Augenbrauen. "Was willern?"
Lynx kratzte den letzten Rest zusammen und schob den halbvollen Löffel in den Mund. Beharrlich leckte er den Holzlöffel ab um so die Spülarbeit so gering wie möglich zu halten.
Fragend schaute er die Sarmatin an. Er wusste, dass sie sehr wahrscheinlich nicht wusste, was die da drinnen besprachen, wollte die hohen Herren aber ruhig etwas schmoren lassen. Hätte Aquila nach ihm geschickt, hätte es natürlich anders ausgesehen. Da hätte Jaleh ihren Satz noch nicht beendet gehabt, wäre er schon ins Zimmer gestürzt - in seiner Vorstellung.
Lynx leckte weiter an seinem Löffel und fing dann an die Holzschüssel mit seinem Finger sauber zu wischen. Dabei schaute er die Sarmatin unverwandt an.
"Ja", antwortete Jaleh auf die erste Frage. "Wenn Senator, Tribun og Priester reden min Ohren woanders," erklärte sie und zuckte mit den Schultern. Wenn der Suebe wissen wollte was die Herren zu besprechen hatte musste er schon selbst hingehen. Aber selbst wenn sie gewusst hätte um was es ging würde sie es nicht erzählen. Ein Leibwächter erzählte nicht so einfach das was er hörte. Für Klatsch und Tratsch gab es Legionäre. Bei dem Gedanken grinste sie.
Als Lynx begann seine Schüssel auszulecken konnte sie nicht anders als fasziniert dabei zu zu schauen. Immerhin attackierte er dieses widerliche Essen mit einem Enthusiasmus den sie sonst nur von sarmatischen Festessen mit leckerem Hammelbraten und Kymys kannte.

Indes zerbrach sich der Tribun weiter den Kopf, weshalb Congerius derart penibel mit der Sache umging. Jaleh war ein Soldat und nicht aus Glas. Trotz der "Vergfitung " hatte sie eine Prügelei mit Lynx angezettelt und obendrein überlebt, was nicht viele von sich behaupten konnten. Und wenn Hulda nicht spurte, musste man ihr eben mit der Peitsche etwas Vernunft beibringen. Außerdem hatte Lynx ja gesehen, dass sie den Becher gepantscht hatte. Da der Suebe ebenfalls etwas von Kräuterkunde und Giften verstand, hätte er nachhaltiger vor dem Trinken gewarnt. Alle waren am Leben, niemand war zu Schaden gekommen, was kümmerte es den Senator so sehr?
Dass es sich um keine Verschwörung aus Numantia handelte, war wohl anzunehmen....
Also lehnte er sich zurück und dachte über die angenehme, aber anstrengende Nacht nach...

In der Zwischenzeit rumorte Hulda ungehalten in der Küche herum. Sie wischte dort etwas zusammen, legte hier etwas ab und wuselte konfus herum. Sie war nervös, weil man Murus einfach mir nix, dir nix in den Nebenraum geschleppt hatte, ohne ihn auch nur Frühstücken zu lassen. Wehe, die taten ihm was! Dann sollten Sie aber den Zorn einer Königstochter kennenlernen! Plötzlich wurde ihr bewusst, dass die Tänzerin immer noch in der Küche stand und ihre Frage noch nicht beantwortet hatte. "Hey, hast Du am Ende gar keinen Namen?" fragte sie die Tänzerin und werkelte dabei weiterhin unruhig in der Küche herum.
Nachdem Hulda sie nochmals auf ihren Namen angesprochen hatte konnte sie sich nichtmehr mit Schweigen entziehen. "Hulda, natürlich habe ich in meiner Heimat einen Namen bekommen, doch möchte ich nicht, daß er hier bekannt wird. Aalerich hatte auch einen Namen für uns und nun beginnt ein neuer Abschnitt in unserem Leben, der mit einem neuen Namen beginnen soll, doch den soll uns unser neuer Herr geben. So kann man schlechte Zeiten von sich abstreifen oder gute Zeiten im Herzen bewahren." sie lächelte doch ihre Augen verrieten was in Wirklichkeit in ihr vorging. Sie schaute Hulda fest in die Augen " Ich werde Dir nicht nur tanzen beibringen, Hulda, es wird viel mehr sein als NUR ein Tanz." daraufhin wand sie sich von ihr ab und schaute aus dem Fenster.

Die Schüssel war annähernd sauber. Der Suebe stand auf und rülpste verhalten aber vernehmlich und folgte der Sarmatin in den Nebenraum.
Hinter sich schloss er die Tür, blieb davor stehen und schaute Aquila und dann die restlichen Anwesenden fragend an.
"Hallo Lynx", meinte der Senator. "Lynx, du hast mir doch vor zwei Tagen kurz erzählt, dass Jaleh etwas in ihren Wein gegeben wurde, ich muss gestehen, ich hab die Sache nicht weiter verfolgt und vergessen, aber Jaleh hat mich daran erinnert.
Was hast du gesehen? Weißt du was es war und vor allem WER es war?"
Congerius war zwar eigentlich der Ankläger aber, erstens war dies kein Prozess, zweitens Murus ein Freund und drittens wollte Congerius selbst die Wahrheit rausfinden. Dazu war es nötig, keinen Einfluss auf die Aussagen zu nehmen.

"Bei allen Göttern, spinnen die denn alle hier?" dachte sich Hulda, nachdem die Tänzerin ihr eröffnet hatte, dass sie momentan namenlos war.

Hulda konnte mit solch kryptischen Dingen wenig anfangen. Wie man einen Haushalt führte, einem Tierbaby auf die Welt half oder ein Feuer schürte wusste sie. Aber von Kunst und Künstlern verstand sie so rein gar nichts. Freillich hatte sie an Stammestänzen in ihrem Dorf teilgenommen und ihre Mutter hatte ihr auch Ritualtänze gelernt. Aber tanzen um des Tanzens willen und zur Unterhaltung für andere und dann auch noch so leicht bekleidet und mit soviel Erotik war etwas neues für Hulda. Sie war gespannt, wie es mit ihrer Lehrerin weitergehen sollte. Vor allem fragte sie sich, was diese ihr noch beibringen wollte außer dem Tanzen. Aber besser fragte sie jetzt nicht danach, die Tänzerin schien in einer trübsinnigen Laune zu sein, die Hulda von sich selbst gut kannte. Besser man ließ sie in Ruhe.
Hulda spähte aus der Küche und sah gerade noch den großen, freundlichen Barbaren auch noch im Nebenzimmer verschwinden.

"Hm, was soll ich gesagt haben? Ach, wegen den Kräutern im Becher? Fast hätte ich davon getrunken. Hatte zum Glück aber rechtzeitig bemerkt, dass da nur Wasser drin war. Ha, ich hätte fast Wasser getrunken!" Lynx schüttelte ungläubig den Kopf.

"Das Wasser hatte einen eigentümlichen Geruch", setzte der Suebe fort. "Habe dann mal etwas intensiver dran geschnuppert und meinte, ein bestimmtes Kraut gerochen zu haben. Nix Schlimmes aber ziemlich unangenehm, außer man braucht es grad. Wenn man von dem Zeug zu viel trinkt, kriegt man die Scheißerei. Habe es schon selbst nehmen müssen, nach dem ich von eurem Brei Verstopfung bekommen hatte.
Wer das da reingeschüttet hat, das weiß ich natürlich nicht. Hatte mich da nur zufällig hingesetzt. Ich fragte dann in die Runde, wem der Becher gehört. Ich hatte schon die Mutmaßung, dass der oder diejenige sich nicht allzugut im Gedärm fühlen dürfte. Es war Jalehs Becher, hatten zumindest die anderen behauptet. Ich gab dann noch den Rat aus dem Becher nichts zu trinken. Das war es dann auch schon.
Wieso? Gibt´s Ärger?", fragte er scheinheilig und konnte sich sein Grinsen kaum verkneifen. Er fand die Situation zu komisch.
Das klang deutlich unklarer wie Jaleh es ihm erzählt hatte. Damit war der Zeuge den Jaleh genannt hatte nicht geeignet. 'Jeg denke Lynx kan taler, denn er mir erzählt warum meine Magen so schlimm. Und Hulda mir gebracht Amphore.' So hatte Jaleh es Congerius erzählt. Nun sie hatte nie gesagt, dass Lynx es beschwören könnte. Nun er konnte es gar nicht sagen. Und das bringen der Amphore war allerhöchstens ein Indiz. Congerius seufzte.

"Es GAB Ärger. Aber so gibts wohl keinen mehr! Murus nimm meine Entschuldigung an, die Beweislage war mir ein wenig anders erzählt worden. Es ist zwar immer noch wahrscheinlich, dass Jaleh und Hulda einen kleinen Krieg ausüben, aber...
Nun ich bin mir nicht mehr sicher ob da wirklich mehr dahinter steckt. Ich seh vielleicht nur Gespenster." Die Entführung und die Folter im Heereszug, der Kontakt mit Aniesha'Fey, all dies hatte dem Senator zugesetzt. Er sah überall Gefahr.
"Bitte nimm meine Entschuldigung an, es wäre mir allerdings Recht, wenn Hulda erfährt, dass Jaleh der Meinung ist das sie es war, und vielleicht solltest du ihr auch erzählen, dass man so was nicht tun sollte."
Congerius meinte zwar immer noch, dass Hulda schuldig war, aber es gab keine Möglichkeit dies zu beweisen und wahrscheinlich war der Grund auch nur Gezicke von Frauen. Das erinnerte Congerius wieder an Sempronia. Er verdrehte die Augen. "Es sollte uns allerdings auch ein wenig vorsichtiger werden lassen!" meinte der Senator noch und wartete auf die Antwort von Murus und Aquila.
"Du brauchst dich nicht zu entschuldigen Senator, es sind gefährliche Zeiten und gefährliche Landen in denen wir uns befinden. Misstrauen ist durchaus angebracht.
Ich werde Hulda davon unterrichten, die Prügel die sie von Jaleh bezogen hat hat sie garantiert noch nicht vergessen. Uns kann nichts schlimmeres passieren als zwei zänkische Weiber, die in der ganzen Gruppe Unruhe verbreiten. Ich werde in der nächsten Zeit ein Auge auf Hulda haben. Gemeinsam werden wir es schon schaffen, die Furien *g* auseinander zu halten. Und jetzt zum Frühstück, ich habe einen riesigen Hunger und brauche meinen braunen Aufguss. Ohne den ist das definitiv zu viel Aufregung heute Morgen."
"Ich danke dir Murus! Aquila, lass uns auch wieder zum Frühstück zurückkehren!" meinte der Senator und verließ den Raum.
Zurück im Frühstücksraum und endlich beim Essen: Aquila, was steht nun heute an, wie weit sind die Verhandlungen mit den Barbaren? Wenn es die Zeit erlaubt würde ich später gerne mit Hulda in den Wald gehen und suchen, ob es in diesen Breiten brauchbare Heilkräuter gibt oder wenigstens Rinden, die man auskochen kann.

Die Römer erhoben sich, um zum Frühstücksraum zurück zu kehren. Ehe sie die Tür erreichten war Lynx nach draußen verschwunden. Er wollte keinen politischen Gesprächen beiwohnen. Außerdem war er wieder aufgewärmt und satt. Längere Zeit in dem beheizten Raum zu verbringen würde ihn nur wieder müde machen.
Der Tribun würde nach ihm rufen lassen, wenn er die restlichen Truppen herführen soll. Vielleicht verzichtete er ja auch auf eine große Truppenbewegung, schließlich war jetzt Ursus hier. Ein Mann der es mit 5 einfachen Legionären aufnehmen konnte und noch mehr der einheimischen Barbaren. Außerdem waren da noch die Sklavinnen, die sie nun begleiten würden. Lynx konnte den feinen Unterschied zwischen Sklaven und Geißeln noch nicht auseinander halten, wusste aber, dass sie nicht gleich behandelt werden.
Der Suebe marschierte vor dem Haus auf und ab und hoffte, dass sich bald etwas ereignen würde. Am liebsten der endgültige Abmarsch.



Rustana räckelte sich in ihren Fellen. Nein, heute wollte sie nicht früh aufstehen. Sie blinzelte und sah, dass die meisten der Sarmaten in dem Zelt ebenfalls noch schlummerten oder zumindest so taten als ob. Die Sarmatin gluckste vergnüglich. Ob man die Auxiliare mal wieder 'vergessen' hatte?
Durch den Eingangsschlitz ihres Zeltes erkannte sie Rugosch und Artaxes beim morgendlichen waschen. Beide waren durchtrainierte und gestählte Männer. Genüßlich kuschelte sich die Kriegerin tiefer in ihre Felle und genoß den Anblick der sich ihr bot. Gucken schadete ja nicht.
Plötzlich schlug ihr eine Hand auf den Hinterkopf. Verdutzt drehte sich Rustana um und blickte in das grinsende Gesicht ihrer Stammesschwester. "Sach mal, spi...?" empörte sich die Kriegerin. Doch ihre Schwester deutete ihr sogleich an still zu sein. Rustana stieß unsanft mit ihrem Ellbogen zurück und drehte sich dann wieder um, aber machte dann doch etwas Platz damit die andere Kriegerin ebenfalls gucken konnte. Beide lachten leise, während sie weiter die Männer beim waschen beobachteten.
"Sach mal Artaxes wo bleibt denn heute der principales vom Dienst?" wunderte sich Rugosch und tauchte mit dem Kopf voran in den Waschtrog.
Der Angesprochene wartete bis sein Freund wieder aus dem Wasser auftauchte ehe er antworte. "Verschlafen? Hmm, nein glaube ich nicht." Artaxes nahm sich sein Tuch und fing an sich kräftig abzureiben um seinen Kreislauf in Schwung zu bringen. "Keine Ahnung! Mir soll es aber recht sein. Vielleicht hat man uns aber auch mal wieder vergessen, denn soviele sind wir hier ja nicht und außerdem kriegen wir unsere Aufgaben meist auch ohne einen römischen Aufpasser hin, der unsere Sprache kaum versteht."
"Hej Artaxes og Rugosch." Grüßte Baran schon von weitem. Er war schon seit einiger Zeit wach und hatte vor seinem Frühstück ein bisschen mit dem Bogen geübt. Jetzt wollte er sich am Waschtrog erfrischen. "Er du allerede vågen?" fragte er die Beiden mit leichtem Hohn. Als er noch nicht bei der Legion war und noch das sagen über seine Männer hatte, hätte es kaum solche Schlampereien gegeben.
Die beiden Männer, die zwischen den Zeltreihen mit waschen beschäftigt waren, schauten auf als sie vom Sarvan begrüßt wurden. "Dav, Baran! Det er en dejlig og kold morgen!" begrüßte Artaxes den Neuankömmling freudig. "Dav! Ja, hvem kan sove der?" mischte sich auch Rugosch ein und sprach laut in die Richtung des Zeltes in dem Rustana schlief. "Kun de heldige!" tönte es dumpf aus dem angesprochen Zelt. "Kom nu! Stå op, dit dovendyr!" rief nun auch Artaxes. Man hörte einige raschelnde Geräusche, ein Klirren als ob Kettenhemden und andere Metallteile auf den Boden gefallen waren und ein leises Fluchen. "Gå ad helvede til!" Es folgte mehr Rascheln ein freudiges: "Aha!" Dann wurde der Zelteingang zur Seite gezogen und eine leicht verstrubelte und verschlafene Rustana tappste barfuß, aber mit ihrem Schwert umgehängt aus dem Zelt heraus. "Hej Baran-Sarvan!" Die dunkelhaarige Kriegerin verbeugte sich respektvoll vor dem Neunankömmling. "Jeg vil stige som Solen, men jeg nægter at stråle!" warnte sie die Männer. Nein, man konnte nicht behaupten das Rustana morgens gute Laune hatte. Artaxes, der sich in der Zwischenzeit wieder seine Tunika übergezogen hatte, wußte wie er seine Stammesschwester aufmuntern konnte. "Teen er klar kogt. Gå og tage nogle! Baran, vil du også?"
Baran wischte sich sein Gesicht mit dem Ärmel seiner Tunika trocken. Auf die Frage von Artaxes ließ er sich gerne ein - "Ja, jeg gerne." - und entschloss sich gleichzeitig Rustana noch ein wenig auf zu ziehen: "For meget mælk i aftes?" Dabei spürte er, wie sie ihm hinter seinem Rücken die Zähne zeigte, worauf er sich grinsend zu ihr umdrehte.
"Må ikke bekymre dig om! Vi har råd til det, indtil vi har en leder!"
"Hvis kun det ville have været kun hopper mælk!" antworte Rustana und goss sich ihren Tee in einen Becher. "Hvad ville jeg give for en skål kymys?"
"Eller et kød?"fragte Rugosch um die Sarmatin ein bischen zu foppen. Diese ignorierte die spitze Zunge, aber er hatte ja nicht unrecht und ein netter Kerl war er eigentlich auch.
Artaxes nahm sich ebenfalls Tee und schlürfte vorsichtig von dem heißem Getränk.Dann wurde er ernst. "Så Baran. Hvad sker der? Hvorfor nogen officer, er at se?"
Artaxes war verstimmt und er hatte keine Lust sinnlos hier herum zusitzen.
"Ja, har dette været i gang i et stykke tid og vi ikke vaere ledet." Rustana war ebenso verstimmt, aber am meisten ärgerte sie sich wohl über sich selbst und ihre Disziplinlosigkeit.
Baran schenkte sich auch etwas Tee ein und wandte sich dann wieder den anderen zu: "Jeg tror, jeg skal tale til tribunen. Derudover, det er farligt at kæmpe uden en leder!"
"Eller en leder, der ikke ved, hvad han gør." Artaxes nickte Baran zu.
"Godt, at vores sarvan tager dette i hans hænder." Samira war aus ihrem Zelt gekommen und gesellte sich zu der Gruppe um den Tee. "Kun en sarmatiske kan føre hans brødre og søstre."
Rugosch reichte ihr einen Becher mit Tee. "Korrekt. Jeg håber, at kommandoen til at marchere frem til os snart. Dette venter gør mig skør."


Es war wieder diese Zeit, in jener man sich nach den warmen Gemächern eines Steinbaues mit Hypocaustum sehte. Secundus lag im Zelt des Contuberniums auf seinem Strohsack und schlang den Mantel etwas fester. Die vergangenen Nächte hatte er gefroren, nun waren die Temperaturen etwas milder, aber dafür lag er alleine im Zelt und die Wärme seiner Brüder fehlte im Mannschaftszelt aus Ziegenleder.
Er schloss erneut die Augen, um etwas Ruhe zu finden. Vor seinem inneren Auge sah er sich erneut in den Thermen Veronas, wie er gerade nackt durch die Flügeltür in das unbesuchte Caldarium eintrat. Die feuchte und 50° heiße Luft schlug ihm entgegen und brannte einen kurzen Moment in seinen Augen, bis diese sich daran gewöhnt hatten. Er setzte sich auf eine hölzerne Bank und lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück. Eine wohlige Wärme überkam ihn, er spührte wie sich seine Arme, Beine und der Rücken entspannten und innere Ruhe in ihn einkehrte. Das leise Plätschern des Wassers, die wärmestrahlenden Wände, die duftenden Essenzen der kleinen Lampe in der Ecke...
Hier war er zu Hause, hier war der Ort der Besinnung, nahe seiner Familie und weit weg von Mythodea mit all seinen Bedrohungen. Er legte seine Arme rechts und links auf die Armlehnen, um sich noch tiefer zu entspannen...
Während Secundus so dalag, ging die Tür leise auf und ein niedliches Tapsen war zu vernehmen, womöglich ein kleines Mädchen der Bediensteten, welche diesen Ort ebenfalls nutzen durften und derzeit frei hatten. Es war auf jeden Fall nicht die Mühe wert, die Augenlieder aufzuschlagen.
Es kehrte wieder Stille ein, das Mädchen schien sich gesetzt zu haben. Er holte tief durch seine Nase Luft, um sich zu entspannen.
Moment einmal, hatte nicht gerade etwas seine Schulter gestreift? War nicht für einen kurzen Moment das betörende Duften einer drallen Frau in seiner Nase?
Er schüttelte innerlich kurz den Kopf und beließ es dabei, vermutlich spielten ihm seine Sinne einen Streich. Darauf spürte er, wie seine rechte Wange heiß anlief und sich etwas sanft an sein Gesicht schmiegte. Dies konnte er nicht träumen, oder? Verwirrt schlug er die Augen auf. Nichts und niemand war in diesem Raum, wunderte er sich. Dann schloss er wieder die Lieder und genoss die alles umhüllende Wärme. Mehrere Herzschläge später spührte er etwas feuchtes an seinem linken Ohr, etwas das mit ihm spielte - oder vielmehr, jemand, der mit ihm spielte. Bevor er seinen Kopf drehen und die Augen öffnen könnte, verbarg eine schmale Hand sämtliches Licht von ihm, indem diese Finger seine Wahrnehmungsorgane bedeckten und ihm im Unklaren ließen, was hier gespielt wurde, und vor allem, wer hier mit wem spielte.
Ihm gefiel dieser Gedanke, war er doch nicht liiert und der Sohn des Gutsbesitzers einer Villa Rustica in der näheren Umgebung. So ließ er es mit sich geschehen...
Er vernahm leise Schritte ... ein zwartes Schnaufen am Ohr ... wieder eine glühende Wange, diesmal auf der anderen Seite seines Gesichtes ... lange nasse Haare, welche auf seine Schulter fielen ... Lippen, die nach seinem Mund forschten und immer zielstrebiger ihre Suche fortsetzten ... ein schlanker, warmer Körper, der sich nun langsam auf seinen Schoß setzte, nicht den Hauch einer für Frauen sonst üblichen Textilie erahnend ... dann ein leidenschaftlicher Kuss, noch einer ...
Die Hand vor seinen Augen verschwand und für einen Moment war er geblendet vom Licht der Fackeln und Lämpchen. Er riss seine Augen auf und starrte in die Helligkeit, welche aus seinem Zelteingang schien. Sein Bruder Gaius stand im Zelteingang und es wehte ein kalter Wind durch das Zelt.
"Steh auf, es gibt Verpflegung. Du bist dran mit Kochen. Ich mache bereits Feuer".
Danach wurde es wieder dunkel. Mythodea, nicht Verona. Kalte, nasse Wirklichkeit.
Es half nichts, Secundus musste sich von seinem warmen Strohsack erheben und hinaus in die Kälte, in der sein Bruder bereits am Feuer auf ihn wartete. Er zog die Riemen seiner Sandalen nach und den Mantel enger um seinen Körper, setzte sich die Kapuze auf und durchschritt den Zelteingang. Dort stand sein Bruder wie vermutet am Feuer und blickte hinter sich. Einige weitere seines Contuberniums saßen dort, darunter auch Sextus. Es schien eine ruhige Stimmung zu herrschen, nichts Besonderes eben.
Secundus hatte eine Runde puls für das Contubernium gekocht, daraus fladenartige Flecken hergestellt und kurz in der Glut des Feuers ausgebacken. Während er die Fladen an seine Brüder reichte, saßen diese schweigend und kauend da. <<hm, ich könnte in der Küche nachsehen, ob von der rituellen Schlachtung des Rindes von vor zwei Tagen noch etwas Fleisch übrig ist, das wäre doch mal eine Abwechslung, zudem ist es in der gehobenen Küche unbeliebt...>> dachte sich Secundus, wollte damit aber seine Brüder nicht belasten, denn derzeit war das Zusammenleben auf engstem Raum eines derart überbelegten Lagers beinahe unerträglich. Das festgefügte Band der Frontkameradschaft, in der ersten Zeit der Unternehmung auf Mythodea durch militärische und operative Ereignisse immer wieder erneuert und wie Stahl unter Hammerschlägen nur noch stärker erhärtet, war durch das Wetter, den fehlendem Nachschub und die unsichere Informationslage zum Zerreißen gespannt. Manche labil veranlagten Männer wurden reizbar und unsachlich, sie nörgeln am Essen herum, auch an Secundus puls wurde gemäkelt, wenngleich die Kritik in Späßen versteckt wurde. Aber welcher Soldat tat dies nicht.
Schwerer wog die Kritik an der Lagerführung, am Verhalten der Kameraden und Brüdern, ja sogar besten Freunden. Die sonst amüsanten, mit Soldatenjargon gewürzten Streitgespräche am wallum oder während der Freiwache am Zelt bekamen einen falschen Unterton. Die aufgezwungene geschlechtliche Enthaltsamkeit bildete ein weiteres Attribut in der Kette dieser die Lagerführung beunruhigenden Nervosität und Unzufriedenheit. Auch Secundus' erotischer Traum macht die Situation nicht leichter.
Secundus hatte sich nun auf der Suche nach etwas Fleisch in die Küche der ersten Kohorte aufgemacht, in der wagen Hoffnung, etwas Fleisch zu bekommen, dass ihm an sich gar nicht zustand. Rationen wurden verteilt und man nahm sich nicht einfach etwas - aber mit etwas Glück konnte das eine unbedachte Sklavin nicht wissen und er hatte einen leckeren Zusatz zu seiner für heute Abend geplanten Suppe.
Da, das Küchenzelt, endlich hatte er es erreicht. "Meine Güte, was ist denn hier los, wird gerade verpflegt, oder wieso herrscht hier so ein Auflauf?" dachte er leise zu sich und einen Augenblick zögerte er, um sich ein paar Worte zurecht zu legen, dann jedoch besann er sich und warf alles über den Haufen - er war Römer und dies würde er dem Haufen von Unwürdigen spüren lassen. Er trat in das Küchenzelt,und traf dort zwei ihm unbekannte Sklavinnen an - sehr gut! "He, ihr beiden, ich soll für die Freiwache etwas Fleisch in Empfang nehmen. Also, gebt mir sofort eine Handvoll Rindfleisch. Na auf, los, das bewegt sich nicht von alleine und Euer Wasser hier kann einen Augenblick unbeachtet bleiben!"
Herrisch stand er nun im Küchenzelt und betete, dass sein "Trick" funktionieren möge.
Secundus hatte sich nun auf der Suche nach etwas Fleisch in die Küche der ersten Kohorte aufgemacht, in der wagen Hoffnung, etwas Fleisch zu bekommen, dass ihm an sich gar nicht zustand. Rationen wurden verteilt und man nahm sich nicht einfach etwas - aber mit etwas Glück konnte das eine unbedachte Sklavin nicht wissen und er hatte einen leckeren Zusatz zu seiner für heute Abend geplanten Suppe.
Da, das Küchenzelt, endlich hatte er es erreicht. "Meine Güte, was ist denn hier los, wird gerade verpflegt, oder wieso herrscht hier so ein Auflauf?" dachte er leise zu sich und einen Augenblick zögerte er, um sich ein paar Worte zurecht zu legen, dann jedoch besann er sich und warf alles über den Haufen - er war Römer und dies würde er dem Haufen von Unwürdigen spüren lassen.
Er trat in das Küchenzelt, und traf dort zwei ihm unbekannte Sklavinnen an - sehr gut!
"He, ihr beiden, ich soll für die Freiwache etwas Fleisch in Empfang nehmen. Also, gebt mir sofort eine Handvoll Rindfleisch. Na auf, los, das bewegt sich nicht von alleine und Euer Wasser hier kann einen Augenblick unbeachtet bleiben!"
Herrisch stand er nun im Küchenzelt und betete, dass sein "Trick" funktionieren möge.
Secundus behielt die herrische Pose inne, bis er eine Schale mit dem Fleisch beinahe schon unterwürfig in die Hände gedrückt bekam. "Meine Güte, das ging ja einfach..." wunderte er sich, "vielleicht funktioniert das auch anderswo?" dachte er, ging zurück zum Zelt und briet das Fleisch im Kessel durch, bevor er es in die Suppe für seine Brüder und sich gab. Er würde nachher in der Taverne vorbei schauen, um diesen Streich ein zweites Mal zu spielen.
Nachdem die Suppe fertig war und das Fleisch köstlich weich war, verteilte er es an die Männer und genoss seine Schüssel vor sich.
Fleisch, endlich einmal wieder Fleisch! Das sollte häufiger ausgegeben werden, zumal es Winter war und Schlachtzeit herrschte - wenn denn Vieh vorhanden war, darüber wusste Secundus nicht Bescheid.
Nachdem er genüsslich gespeist hatte, machte er sich auf den Weg in Richtung principia, um dort eventuelle Vorkommnisse zum Zeitvertreib zu finden. Hierfür nahm er seinen Bruder Gaius mit.
Secundus hatte sich auf den Weg in Richtung Küchenzelt gemacht, um dort einer eventuell unbedarften Sklavin die eine oder andere Köstlichkeit aus dem Vorrat zu stibitzen. Denn letztens war dort eine wunderschöne neue Frau "angestellt" worden, welche ihm heimlich, sehr heimlich, den Atem raubte.
Somit hatte er sogar zwei Beweggründe, in Richtung Küchenzelt zu gehen. Unmerklich beschleunigte er seine Schritte, um sich dann zu vergegenwertigen, dass er doch Magda ebenfalls heimlich den Hof machen wollte. Was wollte er dann hier noch von dieser neuen, aufreizenden Frau? War es Neugier, war es Verliebtheit? Er wusste es nicht. Seinen Gang wollte er aber nicht umsonst gewesen lassen, so dass er kurz vor dem Küchenzelt stehen blieb, einmal tief durchatmete und dann in das Zelt trat.

Die fünf Sklavinnen in der Küche fuhren auseinander wie ein aufgescheuchter Haufen Hühner als Secundus Justinius eintrat. Hatten sie doch gerade ihre Arbeit vernachlässigt und miteinander getratscht.
Sie fühlten sich ertappt und wurden rot im Gesicht. Die eine mehr, die andere weniger.
Die forscheste der fünf fragte: "Herr, was ist Dein Begehr?" und verbeugte sich knapp vor Secundus Justinius.

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